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Interkulturelle Erkundungen

Leben, Schreiben und Lernen in zwei Kulturen- Teil 1

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Edited By Andrea Benedek, Renata Alice Crisan and Szabolcs János

Der Band vereint die Beiträge der IV. Internationalen Germanistentagung, die unter dem Titel Interkulturelle Erkundungen. Leben, Schreiben und Lernen in zwei Kulturen im September 2010 an der Christlichen Universität Partium in Oradea (Rumänien) stattfand. Der im Zeichen der Interdisziplinarität gestaltete Band beinhaltet sowohl Studien zu Literaturgeschichte, Theaterwissenschaft, Presseforschung als auch Beiträge zu den deutschen Regionalliteraturen und zur Rezeptionsgeschichte der deutschen Literatur im nichtdeutschsprachigen Raum.

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Die Einwurzelung und der unerlässliche interkulturelle Austausch. Eine Skizze zu Simone Weil. Csaba Szabó (Eger)

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296 Ildikó Székedi […], sondern weil es einen unbeweglichen Ausdruck angenommen hatte. Als ob er eine Tarnkappe trägt, dachte Rita. Aber gegen wen tarnt er sich? Kann er auf die Dauer vor jedermann seine wirklichen Gründe für seine Handlungen verbergen?34 Rita kann und will nicht von ihm lernen und der hartnäckige Dogmatiker, „der über die Parteilinie, wie Katholiken über die unbefleckte Empfängnis“35 redet, brauchte auch Nachsicht und Geduld wegen seiner Vergangenheit. Genauso werden die Mitläufer und Opportunisten wie Manfreds eigener Vater verurteilt, die ohne innere Überzeugung die Parteiabzeichen im Knopfloch wechseln. Die Andeutung darauf, dass es „viel schlimmere“36 gab, ist nicht ohne weiteres mit der vom sozialistischen Realismus erforderten Parteilichkeit zu vereinbaren. Am Empfangsabend für die Waggonbauer zum Anlass, dass ihr Werk seit fünfzehn Jahren volkseigen war, lasen würdige Männer ihre Reden, die sie „un- ter Verwünschungen“ formuliert und den Sekretärinnen diktiert hatten. Manfred, der heutige Leser, und vielleicht die Erzählerin selbst halten diese Festreden für grausam, nichtssagend, voll von Phrasen wie: „Und so haben wir stets und stän- dig [...]“ oder „Und so schreiten wir auch weiterhin siegreich [...]“37 Haben wir denn in Osteuropa nicht von diesen und ähnlichen Floskeln reichlich gehört und gelesen? Die waren wirklich grausam wenn nicht ekelhaft. Manfred verließ die DDR, Christa Wolf blieb und ihr weiteres Leben war voll von erbittertem Kampf gegen die Parteibonzen und Besserwisser. Sie blieb wegen den Eltern und Kindern, Freunden und...

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