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Interkulturelle Erkundungen

Leben, Schreiben und Lernen in zwei Kulturen- Teil 1

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Edited By Andrea Benedek, Renata Alice Crisan and Szabolcs János

Der Band vereint die Beiträge der IV. Internationalen Germanistentagung, die unter dem Titel Interkulturelle Erkundungen. Leben, Schreiben und Lernen in zwei Kulturen im September 2010 an der Christlichen Universität Partium in Oradea (Rumänien) stattfand. Der im Zeichen der Interdisziplinarität gestaltete Band beinhaltet sowohl Studien zu Literaturgeschichte, Theaterwissenschaft, Presseforschung als auch Beiträge zu den deutschen Regionalliteraturen und zur Rezeptionsgeschichte der deutschen Literatur im nichtdeutschsprachigen Raum.

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Herta Müller und Erwin Wittstock: Tradition und Gegentradition in der rumäniendeutschen Literatur. Veronica Buciuman (Oradea)

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386 Cristina Rita P�r�u als Atemwende34. Dieses poetische Bild steht für den Augenblick des dichterisch Möglichen mit der Bewegung in eine unbestimmte, ferne, ja utopische Richtung. Der geschichtsphilosophische Gedanke des Messianismus von Walter Benjamin wird allenfalls als historisch-poetische Möglichkeit der Ferne aufgenommen. Die Vorstellung von Utopie ist unbegrifflich, sie beinhaltet das unbekannte An- dere als Kategorie. Wenn Herta Müller von den unterschiedlichen Grundbedingungen des Dich- tens bei ihr und bei Paul Celan spricht, prägen sich diese in ihrer Poetik aus. Ihre Metapher der dichterischen Bewältigung des Ausnahmezustands ist die Atem- schaukel. Der Bezug ist „das nackte Leben“. Der Hungerengel geht offenen Auges einseitig. Er taumelt enge Kreise und balan- ciert auf der Atemschaukel. Er kennt das Heimweh im Hirn und in der Luft Sack- gassen. [...] 1 Schaufelhub = 1 Gramm Brot. Der Hunger ist ein Gegenstand.35 Es ist die Dekonstruktion des Lebens auf seine eigene Materialität. Die biopoli- tische These von der Konstituierung des politischen Raumes durch die Ausgren- zung des Menschen aus allen Rechtsbezügen hat in Herta Müllers Atemschaukel ihre metaphorische Gestaltung gefunden. Ihr Gegenentwurf gegen „das Lager“ ist nicht der Ausruf oder das Verstummen, sondern die enthüllende List der Sprache. Dichtung selbst ist politisch-ästhetischer Widerstand im Jetzt. „Atem- wende“ – „Atemschaukel“: Die Homologie in der Voraussetzung des „Aus- nahmezustands“ für die Dichtung, im Bild des „Atems“ für das Wort des ästhe- tischen Gegenentwurfs; die Differenz in der Auffassung der Geschichte: die Wende zum Utopischen gegen...

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