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Vom mystischen Schweigen zum Reden aus Gewissheit

Wittgensteins Sprachparadigmen theologisch gedeutet – mit einer Anwendung auf Tillichs Symboltheorie

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Karsten Schneider

Diese Untersuchung beschäftigt sich mit den Bedingungen der Möglichkeit sinnvoller religiöser Rede auf dem Hintergrund der Überlegungen Wittgensteins. Scheinen zunächst – dem eindimensionalen Sprachparadigma seiner Frühphilosophie entsprechend – keine solchen Bedingungen benennbar, so ergeben sich durch das mehrdimensionale Sprachparadigma der Spätphilosophie ganz neue Möglichkeiten. Jetzt sind nicht nur die Bedingungen der Möglichkeit sinnvollen religiösen Redens auf neue Weise wieder gegeben, sondern auch konkrete Aussagen über die Art und Weise theologischen Redens mit gesetzt. Demnach verbieten sich bestimmte, vor allem vermittlungstheologische Denkweisen, weil sie auf Vorstellungen beruhen, die nach Wittgenstein nicht mehr haltbar sind. Als eine Aufgabe von Theologie wird nun die Darstellung der Selbstvergewisserung der eigenen so genannten grammatischen Sätze deutlich. Aus dieser Perspektive heraus wird skizziert, wie die Symboltheorie Paul Tillichs weiter entwickelt werden müsste, um die fundamentaltheologischen Implikationen der Philosophie Wittgensteins aufzunehmen.

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0. Einleitung – oder: Zur Betrachtung fundamentaltheologischer Probleme mit Ideen Ludwig Wittgensteins

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Thesen und Gang der Arbeit: Die Kenntnis der Philosophie Wittgensteins1 und somit das Wissen um sein Fortschreiten von einem idealistischen zu einem sprachpragmatischen Sprachparadigma ist bei bestimmten fundamentaltheolo- gischen2 Überlegungen äußerst hilfreich. Die Frage nach dem Sprachparadig- ma, auf der der Schwerpunkt der Darstellung liegen wird, ist angesichts der sprachlichen Verfasstheit aller Erkenntnis für die Behandlung aller im weitesten Sinne erkenntnistheoretischen Probleme grundlegend. Somit kommt ihr auch für die Antwort auf das theologische Fragen nach den Bedingungen der Möglichkeit sinnvollen Redens von Gott eine zentrale Bedeutung zu. Die Philosophie Wittgensteins wird in ihrer chronologischen Abfolge vorge- stellt, da auf diese Weise die entscheidenden Resultate der Spätphilosophie am besten verständlich werden. So zeigt sich nicht nur – anhand des `frühen Witt- genstein´ – der zu kritisierende Hintergrund sprachanalytischer Religionskritik, sondern auch – anhand des `späten Wittgenstein´ – die Möglichkeit des Redens von Gott als eines sprachanalytisch verantwortbaren Sprechens. Zudem können einige traditionelle philosophische Positionen aus dieser Perspektive heraus als nicht mehr haltbar benannt werden. Sie sollten demnach auch von theologischer Rede nicht aufgenommen werden. Dies ist z.B. bestimmten vermittlungstheologi- schen Denkweisen entgegenzuhalten (Kap. 1). Die Spätphilosophie Wittgensteins ist allerdings im Laufe der bisherigen The- ologiegeschichte nur unzureichend unter den genannten Gesichtspunkten rezi- piert worden. Anfangs waren es bestimmte Missverständnisse, die die Rezeption 1 Als Quelle wurde – wie weiterhin allgemein üblich – die Werkausgabe, Frankfurt am Main 1984, verwendet. – Für textkritische und genetische Fragestellungen allerdings sind fol- gende Ausgaben unabdingbar: Ludwig Wittgenstein. „Wiener Ausgabe...

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