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Vom mystischen Schweigen zum Reden aus Gewissheit

Wittgensteins Sprachparadigmen theologisch gedeutet – mit einer Anwendung auf Tillichs Symboltheorie

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Karsten Schneider

Diese Untersuchung beschäftigt sich mit den Bedingungen der Möglichkeit sinnvoller religiöser Rede auf dem Hintergrund der Überlegungen Wittgensteins. Scheinen zunächst – dem eindimensionalen Sprachparadigma seiner Frühphilosophie entsprechend – keine solchen Bedingungen benennbar, so ergeben sich durch das mehrdimensionale Sprachparadigma der Spätphilosophie ganz neue Möglichkeiten. Jetzt sind nicht nur die Bedingungen der Möglichkeit sinnvollen religiösen Redens auf neue Weise wieder gegeben, sondern auch konkrete Aussagen über die Art und Weise theologischen Redens mit gesetzt. Demnach verbieten sich bestimmte, vor allem vermittlungstheologische Denkweisen, weil sie auf Vorstellungen beruhen, die nach Wittgenstein nicht mehr haltbar sind. Als eine Aufgabe von Theologie wird nun die Darstellung der Selbstvergewisserung der eigenen so genannten grammatischen Sätze deutlich. Aus dieser Perspektive heraus wird skizziert, wie die Symboltheorie Paul Tillichs weiter entwickelt werden müsste, um die fundamentaltheologischen Implikationen der Philosophie Wittgensteins aufzunehmen.

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3. Eine Anwendung auf die Symboltheorie Paul Tillichs

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These: Die Symboltheorie Paul Tillichs (vgl. Kap. 3.1.) erweist sich als zu eini- gen Teilen durchaus kompatibel mit dem durch die sprachanalytische Betrach- tung im Sinne Wittgensteins Geforderten. Allerdings verbleiben eine Reihe von Kritikpunkten, die sich vor allem auf ihre impliziten ontologischen Vorausset- zungen beziehen (vgl. Kap. 3.2.). Eine Weiterentwicklung der Tillichschen Sym- boltheorie, die z.B. auf die Überlegungen zur „ontologischen Partizipation“ verzichtete und die grundlegenden „Symbole“ stattdessen als „grammatische Sätze“ begriffe, könnte sie deutlicher als bisher als eine Möglichkeit sinnvollen christlichen Redens von Gott erscheinen lassen. Bisher ist gezeigt worden, dass eine Religion keine sprachlich eindeutig be- stimmbaren Grenzen mit rein säkularer Rede aufweist, sondern vielmehr auf vielfältige Weise mit ihr verwoben ist. Dennoch sind die in ihrem Zentrum ge- spielten `Sprachspiele´ dadurch eng miteinander verbunden, dass diese sich alle – auf ganz unterschiedliche Weise und in verschiedenem Maße – auf die „Phy- siognomie“ dieser Religion beziehen, die als ein Zirkel des religiösen Verste- hens und als die `Symbolisierung´ der „Gewißheiten“ dieser Religion aufgefasst werden kann (vgl. Kap. 2.1.3.). Von daher ist zu erwarten, dass eine `Symboltheorie ´die Grundlage zur Ex- plikation der „Grammatik“ dieses Verstehenszirkels legt. Ebenso sollte sie den aus ‚sprachspielanalytischer‘ Sicht formulierbaren Bedingungen sinnvoller reli- giöser Rede nachkommen, d.h. positiv, dass sie – auf dem Hintergrund eines ‚mehrdimensionalen‘ Sprachparadigmas – das zugrunde liegende Netz von „Gewißheiten“ wahrnehmen und die ‚Offenheit des Regelfolgens‘ berücksichti- gen sollte (vgl. Kap. 1.3.1.), und es bedeutet negativ, dass sie nicht auf ‚platonis- tischen‘, ‚aristotelischen...

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