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Soziokulturelle und psycholinguistische Untersuchungen zum Zweitspracherwerb

Ansätze zur Verbindung zweier Forschungsparadigmen

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Udo Ohm and Christiane Bongartz

Neben dem psycholinguistischen hat sich insbesondere in der anglo-amerikanischen Zweitspracherwerbsforschung ein soziokulturelles Paradigma herausgebildet, in dem Zweitsprachenerwerb als Aneignungsprozess verstanden wird, der in vielfältiger Weise über kulturelle Artefakte und soziale Praktiken vermittelt wird. Im Anschluss an Vygotskij untersuchen soziokulturelle Ansätze Zweitspracherwerbsphänomene quasi «in Bewegung», d.h., sie versuchen alle Phasen und Wandlungen des Aneignungsprozesses zu erfassen. Auch wenn die Beiträge in diesem Band den beiden Paradigmen in sehr unterschiedlichen Anteilen verpflichtet sind, ist doch allen gemein, dass sie Zweitsprachenerwerb in seiner Bezogenheit auf die Erfahrungen der Betroffenen und in ihrer Verwicklung mit sozialer Praxis thematisieren.

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Einleitung

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Udo Ohm & Christiane Bongartz In der Zweitspracherwerbsforschung hat sich vor allem in Arbeiten, die sich mit Mehrsprachigkeit beschäftigen und in Migrationskontexten angesiedelt sind, die Auffassung durchgesetzt, dass der Erwerb einer Zweitsprache in Prozesse der Partizipation an Gemeinschaften gemeinsamen Handelns, der Herausbildung zweit- bzw. mehrsprachiger Identitäten und der Auseinandersetzung mit Rollen- zuweisungen und sprachlichen Zugangsbeschränkungen verwickelt ist. Zweit- spracherwerb wird daher als Aneignungsprozess verstanden, der in vielfältiger Weise über kulturelle Artefakte und soziale Praktiken vermittelt ist. Neben dem zentralen Begriff der Vermittlung (mediation) ist es vor allem die sog. genetische Methode, die Forschungsarbeiten mit soziokultureller Orientierung auszeichnet. Soziokulturelle Ansätze untersuchen Zweitspracherwerbsphänomene in ihrer Genese. Mit Vygotskij (z.B. 1992), auf den sowohl der soziokulturelle Begriff der Vermittlung als auch die genetische Methode zurückgeht (vgl. z.B. Lantolf & Thorne 2006), kann man daher sagen, dass soziokulturelle Ansätze Zweitsprach- erwerb quasi „in Bewegung“ untersuchen und seinen Entwicklungsprozess dabei in allen Phasen und Wandlungen zu erfassen versuchen (ebenda: 112). Nach Vy- gotskij ist dies der einzige Weg, Phänomene nicht nur zu beschreiben, sondern auch zu erklären. Mit Blick auf die in diesem Band versammelten Beiträge könn- te „erklären“ im Sinne der „konjunktiven Benennungen“ Mannheims (1980: 225) als Versuch verstanden werden, die Perspektivität und die Bezogenheit der Unter- suchungsergebnisse auf die Erfahrungen der Betroffenen und die lebensweltliche Verwicklung der Zweitspracherwerbsprozesse zu erhalten. Die Beiträge in diesem Band sind in sehr unterschiedlichen Anteilen dem psy- cholinguistischen und dem soziokulturellen Paradigma der Zweitspracherwerbs- forschung...

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