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«Barocco Leccese»

Eine Sonderform des Barock betrachtet in Lecce an der Basilika Santa Croce

Sabina Costede

Exzentrischer Ideenreichtum und eigenwillige Originalität zeichnen den Lecceser Barock aus, der sich auf der salentinischen Halbinsel Italiens um Lecce im 16. Jahrhundert etabliert hat. Ist das Außergewöhnliche dieser Stilrichtung zwar längst erkannt, so ist sie in der deutschsprachigen Fachwelt bisher jedoch kaum gewürdigt und auch in der italienischen Kunstgeschichte erst in jüngerer Zeit in Ansätzen erforscht worden. Diese Analyse belegt die Berechtigung, ja sogar die Notwendigkeit, den Barocco Leccese als eine Sonderform des Barock den allgemein bekannten Formen des Barock ebenbürtig gegenüberzustellen. Die Verfasserin weist dies in einer umfassenden Neubewertung jener eigenwilligen Baukunst durch neue, bisher nicht erkannte Aspekte mit Blick auf die Basilika Santa Croce nach.

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1 Einführung

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Die Basilika Santa Croce im apulischen Lecce (Abb.1a-b) gilt dem Fachmann als das Meisterwerk, dem Betrachter als repräsentativster Anziehungspunkt des so genannten „Lecceser Barock“, des „Barocco Leccese“, wie diese besondere Stilrichtung im Italienischen heißt. Die Kirche wird heute als eines der wichtigsten architektonischen Denkmäler Süditaliens – ja sogar ganz Italiens – be- zeichnet.1 Dieser Baustil stellt neben dem römischen Barock eine Sonderform dar, die sich auf der salentinischen Halbinsel in Apulien, im Süden Italiens im Gebiet um Lecce, bereits Ende des 16. Jahrhunderts ausgeprägt hat, mit Lecce als „Florenz des Barock“2 oder auch als „Dresden des Sü- dens“.3 Nicht zuletzt diese Einschätzung der Bauwerke hat wegen ihres eigenwilligen und einzigartigen Stils, zu dem die Basilika Santa Croce immer wieder als Referenzobjekt herangezogen wird, im Jahr 2006 die Bewerbung um die Aufnahme in die Liste des UNESCO Welterbes veranlasst.4 Trotz all dessen ist die Basilika Santa Croce und mit ihr der Lecceser Barock bisher über seine Landesgrenzen hinaus kaum beachtet worden. Selbst von Fachleuten wird dieser Baustil nur als Randnotiz wahrgenommen. Unlängst hieß es in einem Artikel der FAZ, dass „der apulische Ba- rock bei Kennern gern ein akademisches Naserümpfen erntet und seiner Rehabilitierung harrt“.5 An anderer Stelle ist zu lesen, dass „der apulische Barock den ´Kennern´ als ausgesprochen ´provinziell´, überladen und überdies als missratener Ableger des spanischen“ gelte.6 Auch in der italienischen Literatur wird Santa Croce zunächst als „composito“, als heterogen charakterisiert, als inkonsequent in episodischer Erz...

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