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«Barocco Leccese»

Eine Sonderform des Barock betrachtet in Lecce an der Basilika Santa Croce

Sabina Costede

Exzentrischer Ideenreichtum und eigenwillige Originalität zeichnen den Lecceser Barock aus, der sich auf der salentinischen Halbinsel Italiens um Lecce im 16. Jahrhundert etabliert hat. Ist das Außergewöhnliche dieser Stilrichtung zwar längst erkannt, so ist sie in der deutschsprachigen Fachwelt bisher jedoch kaum gewürdigt und auch in der italienischen Kunstgeschichte erst in jüngerer Zeit in Ansätzen erforscht worden. Diese Analyse belegt die Berechtigung, ja sogar die Notwendigkeit, den Barocco Leccese als eine Sonderform des Barock den allgemein bekannten Formen des Barock ebenbürtig gegenüberzustellen. Die Verfasserin weist dies in einer umfassenden Neubewertung jener eigenwilligen Baukunst durch neue, bisher nicht erkannte Aspekte mit Blick auf die Basilika Santa Croce nach.

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3 Der Lecceser Barock und die Anwendbarkeit des Barockbegriffs

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„´Barocco´ Leccese“ lautet der Titel der ersten umfassenden Gesamtdarstellung, die das Phäno- men dieses spezifischen Stils zu fassen sucht.68 „Barocco“ wurde bewusst in Anführungszeichen 61 Hauptanführer war der neapolitanische Revolutionär Tommaso Masaniello (1620-1647) (FONSECA, in: FON- SECA (Hrsg.) 1979, 8). 62 MASELLA, in: D`ELIA (Hrsg.) 1982, 28. 63 NOVEMBRE, in: FONSECA (Hrsg.) 1979, 185. 64 GELAO 2005, 11; FONSECA, in: FONSECA (Hrsg.) 1979, 13. 65 TATEO, in: MUSCA (Hrsg.) 1979, 52; FAGIOLO/ CAZZATO 1988, 50-52, 89-90. 66 NOVEMBRE, in: FONSECA (Hrsg.) 1979, 179. 67 GELAO 2005, 12. 68 FONSECA, Cosimo Damiano (Hrsg.): „´Barocco´ Leccese“, Milano 1979. 16 gesetzt, da der Lecceser Barock sich eben nicht eindeutig – weder zeitlich noch stilistisch - dem klassischen Barock zuordnen lässt. Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten sollen nachfolgend, besonders mit Blick auf Santa Croce, untersucht werden. 3.1 Zum Begriff des „Barock“ in der Architektur Vorausgeschickt werden soll - um die Gegenüberstellung zum Lecceser Barock zu verdeutlichen69 - eine Definition des Barock im Allgemeinen. Denn die Etablierung, Begriffsbestimmung und Qualifizierung des Barockstils als einer Kunstrichtung sind in ihrer Wertschätzung enormem Wandel unterworfen gewesen.70 Das gilt sowohl für die Indikatoren dieser Qualifizierung als auch für deren Beurteilung. Noch bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts war jedenfalls in der Architektur der Barock negativ besetzt, wurde gar als „denaturiert“ abqualifiziert. Barocke Bauwerke und ihr Dekor wurden mehr oder weniger mit Geringschätzung belegt,71 Sonderformen folglich erst recht nicht als ernst zu nehmende Kunst registriert. Während bis in das ausgehende...

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