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«Barocco Leccese»

Eine Sonderform des Barock betrachtet in Lecce an der Basilika Santa Croce

Sabina Costede

Exzentrischer Ideenreichtum und eigenwillige Originalität zeichnen den Lecceser Barock aus, der sich auf der salentinischen Halbinsel Italiens um Lecce im 16. Jahrhundert etabliert hat. Ist das Außergewöhnliche dieser Stilrichtung zwar längst erkannt, so ist sie in der deutschsprachigen Fachwelt bisher jedoch kaum gewürdigt und auch in der italienischen Kunstgeschichte erst in jüngerer Zeit in Ansätzen erforscht worden. Diese Analyse belegt die Berechtigung, ja sogar die Notwendigkeit, den Barocco Leccese als eine Sonderform des Barock den allgemein bekannten Formen des Barock ebenbürtig gegenüberzustellen. Die Verfasserin weist dies in einer umfassenden Neubewertung jener eigenwilligen Baukunst durch neue, bisher nicht erkannte Aspekte mit Blick auf die Basilika Santa Croce nach.

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6 Aspekte der Ikonographie und Ikonologie

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Das Figurenprogramm der Westfassade, deren Deutung – wie bei keiner anderen Lecceser Kirche – durch die im folgenden zum Teil vorgestellte Fachliteratur immer wieder als äußerst komplex beschrieben wird, ist bis heute nicht vollständig entschlüsselt worden. Die lange Bauzeit hat zwangsläufig einen Wechsel der Baumeister, aber auch der Auftraggeber innerhalb des Ordens bedingt. Zeugnisse von Planern, Ausführenden und Auftraggebern, die über das ikonographische Programm der Westfassade Auskunft geben könnten, fehlen. Dies erschwert zusätzlich die Inter- pretation und lässt vielschichtige Auslegungsmuster zu. Die figürlichen Darstellungen haben aus diesem Grunde zu durchaus unterschiedlichen, ja sogar widersprüchlichen Deutungen Anlass gegeben. Lange Zeit galt die Sprache der Fassade von Santa Croce auch für Fachleute als „hie- roglyph“, ihre Entschlüsselung als fragwürdig.294 Fraglos haben die verschiedenen Auftraggeber und Künstler mit ihren eigenen Ideen und Über- zeugungen Einfluss auf die Gestaltung genommen und die Vorhaben ihrer Vorgänger modifi- ziert. Nicht zuletzt werden politische und wirtschaftliche Faktoren, die weltlichen und geistlichen Anliegen mit den zeitgenössischen künstlerisch-ästhetischen Anschauungen auch Aussagen der Fassade beeinflusst haben. Im Erdgeschoss bezeugen drei Persönlichkeiten mit ihren Wappen über dem Gebälk des Portals ihre Verbundenheit mit dem Kirchenbau. Dem Spanier Philipp III. ist das große, zentrale Wap- pen gewidmet. Die beiden flankierenden über dem vorspringenden Gebälk zeigen links jenes der 294 DE SIMONE 1874, Bd.2, 333. 72 Maria von Enghien sowie rechts das Wappen des Walther von Brienne, dem Stifter des Klosters und des...

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