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«Barocco Leccese»

Eine Sonderform des Barock betrachtet in Lecce an der Basilika Santa Croce

Sabina Costede

Exzentrischer Ideenreichtum und eigenwillige Originalität zeichnen den Lecceser Barock aus, der sich auf der salentinischen Halbinsel Italiens um Lecce im 16. Jahrhundert etabliert hat. Ist das Außergewöhnliche dieser Stilrichtung zwar längst erkannt, so ist sie in der deutschsprachigen Fachwelt bisher jedoch kaum gewürdigt und auch in der italienischen Kunstgeschichte erst in jüngerer Zeit in Ansätzen erforscht worden. Diese Analyse belegt die Berechtigung, ja sogar die Notwendigkeit, den Barocco Leccese als eine Sonderform des Barock den allgemein bekannten Formen des Barock ebenbürtig gegenüberzustellen. Die Verfasserin weist dies in einer umfassenden Neubewertung jener eigenwilligen Baukunst durch neue, bisher nicht erkannte Aspekte mit Blick auf die Basilika Santa Croce nach.

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7 Die Fassade von Santa Croce als Ausdruck einer neuen Religiosität während der „Riforma cattolica“

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79 Borromeo (1538-1584)344 mit Bezug auf die Psalmen und das Evangelium des Matthäus, die Ge- rechtigkeit sei unser Licht, welches in uns widerscheint wie die Sonne des Südens.345 Das Bildnis der Heiligen Jungfrau mit dem Christuskind in der Mitte der Fassade deutet auf den Erlöser der Welt hin.346 Es bildet den Schnittpunkt der Fassadendiagonalen. Nach Cazzato könn- te dieses Prinzip der dem Grundriss zugrunde liegenden Quadrate aber auch mit dem Cölestine- rorden in Verbindung gebracht werden: Klöster und Priorate waren gleichermaßen in Provinzen unterteilt. Andererseits könnte es sich aber ebenso um den Bauplan der Stadt Lecce handeln, die sich über vier die Stadtmauer durchbrechende Portale erstreckt.347 Die Idee des Heiligen Kreuzes wird somit durch geometrische Figuren versinnbildlicht. Ihre Muster und Beziehungen referieren immer wieder auf das Kreuz zurück. Auf diese Weise setzt sich jeder Baustein zu einem Bild zu- sammen, das die göttliche Ordnung im irdischen Gestein widerspiegelt. Die gesamte Fassade kann daher als Sinnbild des Gottesstaates, des himmlischen Jerusalem gedeutet werden. Die komplexe Verwobenheit unzähliger Details und Symbole drückt das Irdische und das Göttli- che aus, wobei irdische und himmlische Sphären miteinander verschmelzen. Dies versöhnt das Schicksal der Menschen jener Region durch den christlichen Glauben. Die Vielfalt der konträren Deutungsansätze zeigt, dass es eine eindeutige Interpretation nicht geben kann. Die Rätsel der verborgenen Botschaft von Santa Croce und deren Entschlüsselung werden für die Fachwelt wohl ein Mysterium bleiben,...

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