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Die 68er-Generation vor Gericht

Untersuchungen zu den Konfliktkonstruktionen in den Texten der 85er-Generation

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Michal Stefanski

Die 68er-Generation, die einst mit ihren in den Nationalsozialismus verstrickten Eltern abrechnete, wird nun von ihren eigenen Kindern vor Gericht gestellt. Die Studie untersucht ausgewählte Texte von Joachim Bessing, Sophie Dannenberg, Jess Jochimsen, Bettina Röhl, Malin Schwerdtfeger, Christian Schüle, Florian Illies und Adriano Sack. Das Ziel der literaturwissenschaftlich fundierten Arbeit ist die Erforschung kultureller sowie narrativer Konstruktionen von Generationenkonflikten in den Texten der Autoren, die der 85er-Generation (auch «Generation Golf» genannt) zugerechnet werden können. Die vorgenommene Textanalyse konzentriert sich auf die Untersuchung der Konfliktfelder «Familie» sowie «Politik und Vergangenheit». Zudem werden Texte analysiert, in denen Generationenbeziehungen Ambivalenzen aufweisen.

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Vorwort

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„Man kann Deutschland als das Land der Generationen bezeichnen [...].“1 Diese von Heinz Bude, einem prominenten deutschen Soziologen, stammende Äuße- rung deutet auf die Rolle des Generationsbegriffs im innerdeutschen Diskurs hin. Man mag sich fragen, warum gerade diese analytische Kategorie besonders relevant für das Verstehen gesellschaftlicher und geschichtlicher Prozesse in Deutschland sein soll. Zum einen scheint dies aus einer traditionsreichen wis- senschaftlichen Reflexion (Dilthey, Pinder, Mannheim) zu resultieren, zum an- deren in der schwierigen deutschen Geschichte begründet zu sein. Denn es steht außer Zweifel, dass als wichtige Bezugspunkte für generationelle Identitäten im 20. Jahrhundert die beiden Weltkriege fungieren. Nach der Niederlage von 1945 wurden die Deutschen zur besiegten Tätergemeinschaft, die mit der Verantwor- tung für die begangenen Verbrechen konfrontiert wurde. Die Schuldfrage und der Täterdiskurs bezogen sich auf bestimmte Generationen, die den Krieg und die in dieser Zeit begangenen Verbrechen zu verantworten hatten. Auch die 68er-Generation, die für den Krieg keinerlei Verantwortung trug, wurde von der NS-Vergangenheit stark geprägt. Mein tieferes Interesse an der Generationenproblematik geht auf das in den Jahren 2006-2008 von Herrn Prof. Dr. Hubert Orłowski am Institut für Germa- nische Philologie der Adam-Mickiewicz-Universität in Pozna (Polen) geleitete literaturwissenschaftliche Magisterseminar zurück, im Rahmen dessen u.a. die Generationskategorie in Bezug auf die deutsche (Literatur-)Geschichte, intensiv reflektiert wurde. Da ich mich auch davor für die rebellische 68er-Generation interessiert hatte, entschloss ich mich dazu, anhand von ausgewählten literari- schen Texten das Verhältnis...

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