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Die 68er-Generation vor Gericht

Untersuchungen zu den Konfliktkonstruktionen in den Texten der 85er-Generation

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Michal Stefanski

Die 68er-Generation, die einst mit ihren in den Nationalsozialismus verstrickten Eltern abrechnete, wird nun von ihren eigenen Kindern vor Gericht gestellt. Die Studie untersucht ausgewählte Texte von Joachim Bessing, Sophie Dannenberg, Jess Jochimsen, Bettina Röhl, Malin Schwerdtfeger, Christian Schüle, Florian Illies und Adriano Sack. Das Ziel der literaturwissenschaftlich fundierten Arbeit ist die Erforschung kultureller sowie narrativer Konstruktionen von Generationenkonflikten in den Texten der Autoren, die der 85er-Generation (auch «Generation Golf» genannt) zugerechnet werden können. Die vorgenommene Textanalyse konzentriert sich auf die Untersuchung der Konfliktfelder «Familie» sowie «Politik und Vergangenheit». Zudem werden Texte analysiert, in denen Generationenbeziehungen Ambivalenzen aufweisen.

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Einleitung

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Eine in der Literatur des Fachs sowie in den Presseartikeln häufig anzutreffende Behauptung über die westdeutsche 68er-Generation besagt, dass ihre Auflehnung gegen die Gesellschaft primär als eine Lossagung von der in den Nationalsozialis- mus verstrickten Generation ihrer Eltern zu deuten ist. In den 60ern hätten die Söh- ne der alten Nazis ihre Väter und Professoren gefragt, was sie im Krieg gemacht hätten, um sie anschließend wegen der Teilnahme am verbrecherischen Regime bzw. aufgrund seiner Duldung hart zu richten.2 Nachdem Anfang 2001 alte Fotos des amtierenden Außenministers und ehema- ligen 68er-Aktivisten, Joschka Fischer, veröffentlicht worden waren, auf denen er als gewaltbereites Mitglied der Frankfurter „Putzgruppe“ einen Polizisten atta- ckiert, brach eine mediale Kontroverse um die 68er-Generation aus. Konservative Wissenschaftler und Journalisten, politische Gegner, ja ganz Deutschland fingen an, die 68er-Geschichte aufzuarbeiten. Es war nicht das erste Mal, dass die 68er an den Pranger gestellt wurden (denkt man z.B. an die Prozesse gegen die RAF-Leute oder an die Debatte über die mutmaßliche Schuld der antiautoritären Erziehung an der rechtsradikalen Jugendgewalt in den 90ern). Das Spezifische an der Joschka- Fischer-Debatte war jedoch, dass es sich um eine der prominentesten Personen im Staat handelte, um jemanden, der den von Dutschke postulierten langen Marsch durch die Institutionen erfolgreich abgeschlossen hatte, und der symbolisch für sei- ne Generation stand. Schlummernde Geister der Vergangenheit wurden wach gerüttelt und wie ge- wöhnlich meldeten sich bei dieser Gelegenheit ideologische Gegner der 68er zum Wort, um...

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