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Die 68er-Generation vor Gericht

Untersuchungen zu den Konfliktkonstruktionen in den Texten der 85er-Generation

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Michal Stefanski

Die 68er-Generation, die einst mit ihren in den Nationalsozialismus verstrickten Eltern abrechnete, wird nun von ihren eigenen Kindern vor Gericht gestellt. Die Studie untersucht ausgewählte Texte von Joachim Bessing, Sophie Dannenberg, Jess Jochimsen, Bettina Röhl, Malin Schwerdtfeger, Christian Schüle, Florian Illies und Adriano Sack. Das Ziel der literaturwissenschaftlich fundierten Arbeit ist die Erforschung kultureller sowie narrativer Konstruktionen von Generationenkonflikten in den Texten der Autoren, die der 85er-Generation (auch «Generation Golf» genannt) zugerechnet werden können. Die vorgenommene Textanalyse konzentriert sich auf die Untersuchung der Konfliktfelder «Familie» sowie «Politik und Vergangenheit». Zudem werden Texte analysiert, in denen Generationenbeziehungen Ambivalenzen aufweisen.

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1. Generationenforschung

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‚Generation‘ ist in der letzten Zeit zu einer Zauberformel geworden, von der man sich verspricht, gesellschaftliche Phänomene beschreiben, ordnen und deuten zu können. Von der gegenwärtigen Konjunktur der generationellen Deutungsmuster zeugt nicht nur eine Vielzahl von Neuschöpfungen und -erfindungen in der Publi- zistik – jedes Jahr tauchen, sei es in Zeitungsartikeln, sei es im Internet, neue Ge- nerationennamen auf, mit denen die jeweiligen Erfinder den Kern der sich rasch wandelnden sozialen Wirklichkeit erfassen wollen –, sondern auch die hohe Be- achtung, die das Generationskonzept in der Wissenschaft findet. Bevor aber auf die Geschichte der Generationenforschung und anschließend auf ihre heutigen Ansätze eingegangen wird, wäre es angebracht, die Etymologie des häufig intuitiv und nicht selten unreflektiert gebrauchten Wortes ‚Generation‘ sowie seine zwei- felsohne komplexe Bedeutung zu beleuchten. Jedoch wird nicht eine detaillierte etymologische Analyse der Zweck dieser kurzen Einleitung in die Wortgeschichte sein, sondern vielmehr eine punktuelle Schilderung der wichtigsten Bedeutungs- entwicklungen, der sprachlichen und historischen Konnotationen, die der Genera- tionsbegriff in sich birgt, und ohne die eine sachgerechte Auseinandersetzung mit der Generationenproblematik nicht denkbar ist. 1.1. Semantik des Wortes ‚Generation‘ Zunächst sei darauf verwiesen, dass ‚Generation‘ kein urdeutsches Wort ist und dass es bis in das 19. Jahrhundert hinein als ein lateinisches Fremdwort fungierte und daher ausschließlich in Fremdwörterbüchern vorzufinden war.7 Versucht man z.B. im 1897 herausgegebenen Grimmschen Deutschen Wörterbuch den Begriff ‚Generation‘ nachzuschlagen, findet man keinen Eintrag.8 In den zeitgenössischen etymologischen Wörterbüchern wird die Entleh-...

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