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Die 68er-Generation vor Gericht

Untersuchungen zu den Konfliktkonstruktionen in den Texten der 85er-Generation

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Michal Stefanski

Die 68er-Generation, die einst mit ihren in den Nationalsozialismus verstrickten Eltern abrechnete, wird nun von ihren eigenen Kindern vor Gericht gestellt. Die Studie untersucht ausgewählte Texte von Joachim Bessing, Sophie Dannenberg, Jess Jochimsen, Bettina Röhl, Malin Schwerdtfeger, Christian Schüle, Florian Illies und Adriano Sack. Das Ziel der literaturwissenschaftlich fundierten Arbeit ist die Erforschung kultureller sowie narrativer Konstruktionen von Generationenkonflikten in den Texten der Autoren, die der 85er-Generation (auch «Generation Golf» genannt) zugerechnet werden können. Die vorgenommene Textanalyse konzentriert sich auf die Untersuchung der Konfliktfelder «Familie» sowie «Politik und Vergangenheit». Zudem werden Texte analysiert, in denen Generationenbeziehungen Ambivalenzen aufweisen.

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2. Kulturwissenschaftliche Ansätze in der Literaturwissenschaft

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2.1. Textualität der Kultur Die Untersuchung der in den Texten präsenten Generationenproblematik erfor- dert zweifelsohne eine komplexe und zugleich flexible Herangehensweise. Da- her gilt es zu fragen, welche analytischen Methoden sich zu diesem Zweck als besonders effizient erweisen können. Da in der vorliegenden Arbeit kulturelle und soziologische Aspekte des Generationenkonflikts im Vordergrund stehen werden, scheint es angebracht, auf Methoden kulturwissenschaftlicher Ansätze zurückzugreifen, die das wohl größte Potential für „die Erfassung der kulturellen Dimension“120 bieten. Gemeinsam ist vielen jener Ansätze die Auffassung der Kultur, die, laut dem amerikanischen Ethnologen Clifford Geertz, als zu lesender und zu inter- pretierender Text zu betrachten ist. Sein Kulturkonzept legte Geertz folgender- maßen aus: Der Kulturbegriff, den ich vertrete […], ist wesentlich ein semiotischer. Ich meine mit Max Weber, daß der Mensch ein Wesen ist, das in selbstgesponnenen Bedeu- tungsgewebe verstrickt ist, wobei ich Kultur als dieses Gewebe ansehe. Ihre Unter- suchung ist daher keine experimentelle Wissenschaft, die nach Gesetzen sucht, son- dern eine interpretierende, die nach Bedeutungen sucht. Mir geht es um Erläuterun- gen, um das Deuten gesellschaftlicher Ausdrucksformen, die zunächst rätselhaft scheinen.121 Jene Behauptung über den semiotischen Charakter der Kultur, in der Geertz Max Webers Gedanken aufgreift, gab der Literaturwissenschaft einen neuen Im- puls und führte eine anthropologische und anschließend eine kulturwissenschaft- liche Wende122 herbei. 120 Hallet, Wolfgang: „Methoden kulturwissenschaftlicher Ansätze: Close Reading und Wide Reading“, in: Nünning, Ansgar / Nünning, Vera (Hg.): Methoden der literatur- und...

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