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Die 68er-Generation vor Gericht

Untersuchungen zu den Konfliktkonstruktionen in den Texten der 85er-Generation

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Michal Stefanski

Die 68er-Generation, die einst mit ihren in den Nationalsozialismus verstrickten Eltern abrechnete, wird nun von ihren eigenen Kindern vor Gericht gestellt. Die Studie untersucht ausgewählte Texte von Joachim Bessing, Sophie Dannenberg, Jess Jochimsen, Bettina Röhl, Malin Schwerdtfeger, Christian Schüle, Florian Illies und Adriano Sack. Das Ziel der literaturwissenschaftlich fundierten Arbeit ist die Erforschung kultureller sowie narrativer Konstruktionen von Generationenkonflikten in den Texten der Autoren, die der 85er-Generation (auch «Generation Golf» genannt) zugerechnet werden können. Die vorgenommene Textanalyse konzentriert sich auf die Untersuchung der Konfliktfelder «Familie» sowie «Politik und Vergangenheit». Zudem werden Texte analysiert, in denen Generationenbeziehungen Ambivalenzen aufweisen.

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4. Konstruktionen von Generationenkonfliktenin den Texten der 85er-Generation

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4. Konstruktionen von Generationenkonflikten in den Texten der 85er-Generation 4.1. Konfliktfeld: Familie Die Zeit um das Jahr 1968 war äußerst spannungsreich sowohl auf der familia- len als auch auf der gesellschaftlichen Ebene. Am Pranger standen autoritäre Erziehungsmethoden sowie die Kultur und Werte der Elterngeneration. Es war aber auch die Zeit, in der die rebellierende Generation selbst Kinder bekam. Ihre Kinder sollten mehr Freiheit genießen, um nicht in einer autoritären Welt auf- wachsen zu müssen. Es ist das Jahr 1969. Die Revolte von 1968 hat sich als politisches Fiasko erwiesen: Trotz studentischer Proteste geht der Vietnam-Krieg weiter, Not- standsgesetze werden verabschiedet, und die APO zerfällt in unzählige, kleine Gruppierungen. Das Gefecht gegen die imperialistische Politik, gegen den Kapi- talismus und das Establishment scheint verloren zu sein. Was jedoch nicht verlo- ren geht, ist der Glaube vieler Rebellen, dass eine bessere, gerechtere Welt ge- schaffen werden kann. Darüber, wie das geschehen soll, ist man sich zwar nicht einig, es steht aber fest, dass die alten Herrschaftsstrukturen gebrochen werden müssen. Es ist auch klar, dass der Kampf gegen das falsche, autoritätsabhängige Bewusstsein zu Hause seinen Anfang nehmen soll. Deswegen werden Kommu- nen gegründet, in denen politisch Gleichgesinnte gemeinsam wirtschaften und über gesellschaftliche Fragen diskutieren. In den Kommunen wird das Private zum Politischen. Kinder werden nicht nur von ihren leiblichen Eltern, sondern von allen Mitgliedern zur Freiheit erzogen, ihre Bedürfnisse werden nicht unter- drückt, damit sie sich frei entwickeln und...

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