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Die 68er-Generation vor Gericht

Untersuchungen zu den Konfliktkonstruktionen in den Texten der 85er-Generation

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Michal Stefanski

Die 68er-Generation, die einst mit ihren in den Nationalsozialismus verstrickten Eltern abrechnete, wird nun von ihren eigenen Kindern vor Gericht gestellt. Die Studie untersucht ausgewählte Texte von Joachim Bessing, Sophie Dannenberg, Jess Jochimsen, Bettina Röhl, Malin Schwerdtfeger, Christian Schüle, Florian Illies und Adriano Sack. Das Ziel der literaturwissenschaftlich fundierten Arbeit ist die Erforschung kultureller sowie narrativer Konstruktionen von Generationenkonflikten in den Texten der Autoren, die der 85er-Generation (auch «Generation Golf» genannt) zugerechnet werden können. Die vorgenommene Textanalyse konzentriert sich auf die Untersuchung der Konfliktfelder «Familie» sowie «Politik und Vergangenheit». Zudem werden Texte analysiert, in denen Generationenbeziehungen Ambivalenzen aufweisen.

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5. Zusammenfassung der Ergebnisse der Studie

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Zum 30. Jahresjubiläum der 68er-Revolte ist ein Band unter dem vielsagenden Titel Die 68er – Warum wir Jungen sie nicht mehr brauchen erschienen, in dem die 68er von den Vertretern der jungen Generation vor Gericht gestellt werden. Martin Viehöver, damals Student und Vorsitzender der Jungen Ökologen, schrieb in seinem Beitrag: Von den 68ern wurden viele Freiheiten erkämpft und verkrustete Strukturen abge- baut, aber es kamen eben auch neue, meist ideologische Verkrustungen dazu. Letzte- re führen noch heute dazu, daß unsere Demokratie durch ideologische Grabenkämp- fe nicht leistungsfähig ist und sinnvolle Lösungen nicht zum Zuge kommen.603 Christopher Gohl, Viehövers Altersgenosse, damals der mit den Liberalen sym- pathisierende Student der Politikwissenschaft (zur Zeit Leiter der Abteilung für Politische Planung, Programm und Analyse der FDP), verurteilte die 68er- Generation noch schärfer. In seinem Beitrag entgegnete Gohl dem ehemaligen Anführer der Studentenrevolte, Professor Bernd Rabehl, auf dessen Vorwurf, dass sich die Studenten Ende der 90er Jahre von den Staatssekretären und den Professoren „vollsabbern“604 ließen, Folgendes: Ihre Generation, Eure mythische 68er-Generation, klagt seit dreißig Jahren, und seit einiger Zeit auch über meine »lahme Generation«. Ihr beschwert Euch, daß wir nicht aufstehen und »unsere Großväter morden«. Nun, lieber Herr Professor Rabehl und gleichgesinnte Zeitgeistgenossen, wir sind zu gut verzogen und zu verwöhnt.605 Weiter schrieb er: Den Wohlstand der Aufbaugeneration nach dem Krieg habt Ihr staatlich zu verteilen gewußt. Von Euren Visionen ist außer der Potemkinschen Fassade eines...

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