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Rebellisch aus erkenntnistheoretischem Prinzip

Möglichkeiten und Grenzen angewandter Erkenntnistheorie

David Kergel

Das Buch präsentiert Forschungsergebnisse aus dem Forschungsfeld der angewandten Philosophie. Es wird untersucht, welche Möglichkeiten und Grenzen für das Modell einer anwendungsorientieren Erkenntnistheorie in Hinblick auf den Alltag bestehen. In Zeiten der Wirtschaftskrise kann der wachsende Leistungsdruck, der auf dem Individuum lastet, schnell zu einem Leidensdruck werden. Der Rückgriff auf eine angewandte Erkenntnistheorie macht es möglich, diesem Leidensdruck angemessen begegnen zu können. Die reflexiven Strategien einer angewandten Erkenntnistheorie versetzen das Individuum in die Lage, einen konstruktiven sowie souveränen Selbstbezug zu entwickeln. Der Fokus des Buches liegt auf einer genealogischen Rekonstruktion philosophiegeschichtlicher sowie sozio-kultureller Ursprünge einer angewandten Erkenntnistheorie. Anhand komparativer Studien, die ihren Ausgangspunkt in der Philosophie des Junghegelianers Max Stirner haben, wird die Vielfältigkeit moderner und post-moderner erkenntnistheoretischer Positionen untersucht. Hierbei steht deren «Praxistauglichkeit» im Sinne einer angewandten Erkenntnistheorie im Fokus.

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Zweites Kapitel: Stirners Kritik des bürgerlichen Individuums als Erzählmotiv in Travens Roman „Das Totenschiff“

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43 Zweites Kapitel Stirners Kritik des bürgerlichen Individuums als Erzählmotiv in Travens Roman „Das Totenschiff“ Einführung Stirners erkenntnistheoretischen Strategie gründet in einer Hermeneutik des Subjekts. Das Subjekt, das sich selbst wiederholt deutet und mittels dieser Strate- gien stets neue Schichten der Fremdbestimmung freilegt, schafft sich alternative Perspektiven auf normierende Erwartungshaltungen. Im Zuge einer performa- tiven kritischen Prüfung seiner Selbst etabliert sich das „Ich als ein subversiver Anderer“ und entsteht in Opposition zu den ihm zugewiesenen gesellschaftlichen Imperativen. „Wie zu ändern? Nur dadurch, daß ich keine Pflicht anerkenne, d.h. Mich nicht binde oder binden lasse. Habe Ich keine Pflicht, so kenne Ich auch kein Gesetz.“ (Stirner 1985: 215). Diese Form der steten Neudeutung und Selbstrelativierung lässt sich als De- konstruktion bis hin zur Selbstauflösung beschreiben. In diesem Kapitel wird mittels eines komparativen Ansatzes, der als Dialogpartner Travens „das Toten- schiff“ heranzieht, Stirners erkenntnistheoretische Strategie der Abgrenzung thematisiert. Diese Strategie der Abgrenzung verweist auf alternative Möglich- keitsräume, da jede Verneinung, die der Abgrenzung strukturell implizit ist, eine Affirmation auf etwas anderes als dem Negierten darstellt Der Rekurs auf Travens „Das Totenschiff“ ermöglicht es, Stirners Erkenntnis- theorie und die literarische Inszenierung sozio-ökonomisch fundierter Exklusi- onsprozesse, wie sie Traven vornimmt, integrativ zusammenzuführen. Traven, dessen bürgerliche Identität lange als Rätsel galt, veröffentlichte zwölf Romane, mehrere Erzählungen und einen Reisebericht. Aktiv an der Münchner Räterepublik 1918 beteiligt, weisen Travens Romane linkslibertäre Tendenzen auf. Der Schriftsteller...

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