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Rebellisch aus erkenntnistheoretischem Prinzip

Möglichkeiten und Grenzen angewandter Erkenntnistheorie

David Kergel

Das Buch präsentiert Forschungsergebnisse aus dem Forschungsfeld der angewandten Philosophie. Es wird untersucht, welche Möglichkeiten und Grenzen für das Modell einer anwendungsorientieren Erkenntnistheorie in Hinblick auf den Alltag bestehen. In Zeiten der Wirtschaftskrise kann der wachsende Leistungsdruck, der auf dem Individuum lastet, schnell zu einem Leidensdruck werden. Der Rückgriff auf eine angewandte Erkenntnistheorie macht es möglich, diesem Leidensdruck angemessen begegnen zu können. Die reflexiven Strategien einer angewandten Erkenntnistheorie versetzen das Individuum in die Lage, einen konstruktiven sowie souveränen Selbstbezug zu entwickeln. Der Fokus des Buches liegt auf einer genealogischen Rekonstruktion philosophiegeschichtlicher sowie sozio-kultureller Ursprünge einer angewandten Erkenntnistheorie. Anhand komparativer Studien, die ihren Ausgangspunkt in der Philosophie des Junghegelianers Max Stirner haben, wird die Vielfältigkeit moderner und post-moderner erkenntnistheoretischer Positionen untersucht. Hierbei steht deren «Praxistauglichkeit» im Sinne einer angewandten Erkenntnistheorie im Fokus.

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Drittes Kapitel: Entsprechungen und Differenzen emanzipativer Sprachstrategien zwischen Stirner und Mallarmé

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61 Drittes Kapitel Entsprechungen und Differenzen emanzipativer Sprachstrategien zwischen Stirner und Mallarmé Einführung Die Strategie ironischer Subversion setzt eine Anerkennung als „Ich“ voraus und kann sich aufgrund seiner strukturellen Einbindung in den sozialen Raum gesell- schaftlichen Verwertungsprozessen nicht entziehen. Erst durch die Einbindung konstituiert sich das Ich im Sinne transzendentaler Selbstreflexion. Außerhalb dieser Einbettung verliert der Einzelne seine Individualität, wird gesichtslos, sprachlos. Ironische Subversion ist stets Rebellion, die sich auf der epistemolo- gischen Grundlage bürgerlicher Gesellschaft vollzieht und nur im Rahmen ihrer ökonomischen Strukturen und ihrer sozialen Anerkennung artikuliert werden kann. Ironische Subversion vermag es folglich nicht, sich den sozialen Räumen bürgerlicher Gesellschaft zu entziehen oder revolutionäre Impulse entwickeln zu können. Stirners revolutionäre Leistung ist in der Überwindung eines epistemologi- schen Modells zu sehen, das sich im Rahmen transzendentaler Reflexion verortet und die Strukturmechanismen bürgerlicher Gesellschaft erkenntnistheoretisch reproduziert. Die Kritik des Ich als letztgültiger Erkenntnisagens und der Zusammenhang zwischen diesem Erkenntnisagens und dem bürgerlichen Modell der Selbstver- antwortung für die transzendentale und/ oder ökonomische Selbstverwertung wird auch von Adorno, Horkheimer entwickelt: „Die Individuen, die selbst für sich zu sorgen haben, entwickeln das Ich als die Instanz des reflektierenden Vor-und Überblicks, es erweitert sich und schrumpft mit den Aussichten wirtschaftlicher Selbständigkeit und produktiven Eigentums durch die Reihen der Generationen hindurch.“ (Adorno, Horkheimer 1997: 106). Striners Kritik an dem „Ich“ als Erkenntnisagens vollzieht sich vornehm- lich über sprachkritische Ansätze. Indem Stirner die normative Dimension von Sprache...

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