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Rebellisch aus erkenntnistheoretischem Prinzip

Möglichkeiten und Grenzen angewandter Erkenntnistheorie

David Kergel

Das Buch präsentiert Forschungsergebnisse aus dem Forschungsfeld der angewandten Philosophie. Es wird untersucht, welche Möglichkeiten und Grenzen für das Modell einer anwendungsorientieren Erkenntnistheorie in Hinblick auf den Alltag bestehen. In Zeiten der Wirtschaftskrise kann der wachsende Leistungsdruck, der auf dem Individuum lastet, schnell zu einem Leidensdruck werden. Der Rückgriff auf eine angewandte Erkenntnistheorie macht es möglich, diesem Leidensdruck angemessen begegnen zu können. Die reflexiven Strategien einer angewandten Erkenntnistheorie versetzen das Individuum in die Lage, einen konstruktiven sowie souveränen Selbstbezug zu entwickeln. Der Fokus des Buches liegt auf einer genealogischen Rekonstruktion philosophiegeschichtlicher sowie sozio-kultureller Ursprünge einer angewandten Erkenntnistheorie. Anhand komparativer Studien, die ihren Ausgangspunkt in der Philosophie des Junghegelianers Max Stirner haben, wird die Vielfältigkeit moderner und post-moderner erkenntnistheoretischer Positionen untersucht. Hierbei steht deren «Praxistauglichkeit» im Sinne einer angewandten Erkenntnistheorie im Fokus.

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Viertes Kapitel: Stirner und Aristoteles: Ethik als Selbstverhältnis

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89 Viertes Kapitel Stirner und Aristoteles: Ethik als Selbstverhältnis Einführung Stirner und Aristoteles analysieren Erkenntnisprozesse im Sinne von Prozessen, die sich im konkreten Erleben entfalten und betten sie existentiell in eine Leben- spraxis ein. Es kann festgehalten werden, dass beide Philosophen Erkenntnispro- zesse als Lebenspraxis definieren. Dieser Zusammenhang führt die philosophischen Disziplinen zwischen Er- kenntnistheorie und Ethik zusammen, indem praktische, handlungsorientier- te Konsequenzen aus der Beschreibung und Analyse von Erkenntnisprozessen gezogen werden. Ethik wird als deskriptive und nicht normative Ethik aktuali- siert und beschreibt Möglichkeiten eines positiv konnotierten Selbstverhältnis- ses. Dieses Ethikverständnis entwickelt Aristoteles in der „Nikomachäischen Ethik“39, die hier als wesentliche Quelle in der Auseinandersetzung mit Aristo- teles genutzt werden soll und als erste spezifische Ethik diese als Einzeldisziplin der Philosophie begründete.40 Erkenntnis ist prozessual, infinit und dynamisch. Aus dieser Grundsetzung entwickeln sowohl Aristoteles wie auch Stirner ein ontologisches Modell, das traditionelle Subjekt-Objekt Dichotomien überwindet41 und das Aristoteles als auch Stirner ethisch deuten. Wahrnehmung und Definition von Objekten bezie- hungsweise von Welt werden als rational organisierte Welterklärungsprozesse verstanden. Der Mensch steht als Kulturwesen nicht im Gegensatz zur Natur, 39 Die folgende Zitation der Nikomachäischen Ethik folgt dem Verweisraster der von Bekker geschaffenen modernen Textausgabe und nennt Seiten-, Kolumnen- und Zeitangabe, als Text- ausgabe wird die Meiner Ausgabe der Nikomachöischen Ethik von 1995 verwandt. Zur Quel- lenkritik vgl. Hauskeller 1997: 80ff. 40 Ethik wiederum lässt sich als ein Forschungsfeld verstehen, das über philosophische Reflexion Handlungspotential mit Bezug...

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