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Organentnahmen bei hirntoten Schwangeren

Oder: Sterbehilfe am Lebensanfang?

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Sebastian Vogel

Die Konstellation scheint rar, die Lösung simpel: Wenn eine Schwangere stirbt, ihr Herz-Kreislauf-System und mithin die Schwangerschaft aber künstlich auch nach dem Hirntod noch aufrechtzuerhalten sind, muss das Kind gerettet werden. Ist die Frau zudem Organspenderin, können freilich auch ihre Organe transplantiert werden. In dieser Absolutheit indes birgt dies einige medizinische wie rechtliche Fehler. In dieser Arbeit werden die medizinischen Umstände der Konstellation erläutert, um zu einer dogmatisch konsistenten wie praktikablen juristischen Lösung zu gelangen. Zu hinterfragen gilt, ob und wann die Ärzte die Schwangerschaft abbrechen dürfen, wann sie dem Ungeborenen Sterbehilfe leisten können und sollen. Zudem geht die Arbeit der Frage nach, wer entsprechende Entscheidungen trifft.

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2. Kapitel: Zusammenschau dokumentierter Fälle

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A. Einführung Ausgehend von amerikanischem Datenmaterial und Schätzungen, wonach im Jahre 2005 ca. 2 %, also 53 der 2.642 postmortalen Organspenderinnen in den USA zum Zeitpunkt der Organentnahme schwanger waren, rechnen Souza et al. hoch, dass es weltweit jährlich 1.060 Fälle von hirntoten Schwangeren geben muss, jedenfalls geben könnte.33 Gleichwohl sind keine 30 Fälle in der Fachliteratur dokumentiert – für den Zeitraum der vergangenen 30 Jahre. Es mag dies zum einen Indiz für die hohe Brisanz des Themas sein, wenn viele solcher Fälle gar nicht erst an die Öf- fentlichkeit gebracht werden. Zum anderen muss auch die Tatsache verwundern, dass unter den wenigen dokumentierten Fällen die große Mehrzahl erfolgreich ver- lief, was angesichts der medizinisch sehr diffizilen Behandlung im Einzelfall den Schluss nahe legt, dass eher die erfolglosen Versuche keiner wissenschaftlichen Erörterung zugänglich gemacht wurden.34 Im Folgenden wird zunächst die Kasuistik hinsichtlich aller dokumentierten Fälle hirntoter Schwangerer, geordnet aufsteigend nach dem Stadium der Schwan- gerschaft zum Zeitpunkt des Hirntodes, dargestellt. Zu relativieren ist indes, dass alle dokumentierten Fälle hier sicher nicht beschrieben sind. Dies ist auf Grund der Unübersichtlichkeit der Fachliteratur und der Verschiedenartigkeit der Quellen, ganz zu schweigen von der Internationalität der Fälle und Veröffentlichungen, un- möglich. Obgleich also ein Anspruch auf Vollständigkeit nicht erhoben werden kann, sei zufrieden angemerkt, dass die Recherche sowohl von Fach- als auch von Medienartikeln eine Fülle von Fällen zu Tage...

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