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Organentnahmen bei hirntoten Schwangeren

Oder: Sterbehilfe am Lebensanfang?

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Sebastian Vogel

Die Konstellation scheint rar, die Lösung simpel: Wenn eine Schwangere stirbt, ihr Herz-Kreislauf-System und mithin die Schwangerschaft aber künstlich auch nach dem Hirntod noch aufrechtzuerhalten sind, muss das Kind gerettet werden. Ist die Frau zudem Organspenderin, können freilich auch ihre Organe transplantiert werden. In dieser Absolutheit indes birgt dies einige medizinische wie rechtliche Fehler. In dieser Arbeit werden die medizinischen Umstände der Konstellation erläutert, um zu einer dogmatisch konsistenten wie praktikablen juristischen Lösung zu gelangen. Zu hinterfragen gilt, ob und wann die Ärzte die Schwangerschaft abbrechen dürfen, wann sie dem Ungeborenen Sterbehilfe leisten können und sollen. Zudem geht die Arbeit der Frage nach, wer entsprechende Entscheidungen trifft.

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6. Kapitel: Zusammenfassung und Fazit

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So komplex die Konstellation ist, die dieser Arbeit zugrunde liegt, so vielschichtig fallen auch die Zusammenfassung und das Fazit dieser Arbeit aus. So hat eine ein- zige Fallprüfung, die Prüfung eines singulären Delikts, nicht nur ein für die Praxis handhabbares Ergebnis zutage gebracht (A.), sondern es wurden zugleich noch the- oretisch-dogmatische Ergebnisse erzielt (B.), die zum Teil auf ganz andere Kons- tellationen anwendbar sind. A. Praktische Ergebnisse Erinnert sei an den Ausgangspunkt dieser Arbeit, nämlich die Frage, ob und ggf. wann den Ärzten eine Organentnahme bei einer hirntoten Schwangeren erlaubt ist. Erlaubt, so lautete der Ansatz für die Antwort, ist die Entnahme dann, wenn sie nicht verboten ist. Entsprechend des Deliktsaufbaus ist also eine Strafbarkeit wegen Schwangerschaftsabbruchs nach § 218 Abs. 1 StGB nicht gegeben, wenn schon der Tatbestand entfällt, ein Rechtfertigungsgrund eingreift oder auf Schuldebene Grün- de in Ansatz gebracht werden können, die eine Strafbarkeit ausschließen. Folgende Ergebnisse wurden erzielt: 1. Ein Tatbestandsausschluss wegen § 218a Abs. 1 StGB kommt nicht in Frage, da einzig die Mutter zum Abbruch berechtigt ist. Weder das (höchstpersönliche) Verlangen nach § 218a Abs. 1 Nr. 1 StGB noch die diesem Verlangen imma- nente Einwilligung können durch einen Dritten ersetzt werden. 2. Der Tatbestand aber kann dadurch ausgeschlossen sein, dass die Organentnahme als ein Behandlungsabbruch angesehen wird, der dann erlaubt ist, wenn die ein- schlägigen Voraussetzungen erfüllt sind. Um das zu verstehen, muss man sich nur Folgendes klar machen: „Der Fet ist...

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