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Das naturwissenschaftliche Weltbild am Beginn des 21. Jahrhunderts

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Edited By Bernulf Kanitscheider and Reinhard Neck

Anhand ausgewählter Beispiele wird untersucht, wie die Naturwissenschaften unser gegenwärtiges Weltbild beeinflussen. Dabei wird in einem interdisziplinären Dialog zwischen Vertretern der «exakten» Wissenschaften und Philosophen ausgelotet, ob und wie neuere Erkenntnisse dieser Wissenschaften Weltanschauung und Menschenbild der Gegenwart (und, soweit absehbar, der Zukunft) prägen. Unter anderem werden die Stellung des Menschen im Kosmos, Gehirn und Bewusstsein, Quantenphysik und Realität, Fragen der Evolution sowie das Verhältnis von naturwissenschaftlichem und religiösem Weltbild erörtert.

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3. Kosmologie zwischen Mythos und Physik Bernulf Kanitscheider 45

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Kapitel 3 Kosmologie zwischen Mythos und Physik Bernulf Kanitscheider 3.1 Epochen der Kosmologie Holzschnittartig kann man vier große Epochen der Kosmologie unterscheiden. Am Anfang war die mythische Ära. Sie verliert sich im Dunkel der Prähistorie und wird am Rand der Geschichte durch einige bedeutsame Werke über die Ent- stehung der Welt fassbar1. Die Organisation der Welt findet hier nach Art eines Kampfes zwischen überweltlichen Mächten statt. Kosmische Potenzen, die z. T. noch stark anthropomorphen Charakter haben, bauen die Welt manchmal in ge- waltsamer Weise, in denen sich die menschlichen Auseinandersetzungen spiegeln, auf. Prototypus einer solchen mythischen Weltentstehungslehre ist die Theogonie von Hesiod, der die Welt durch den Eros aus dem Chaos entstehen lässt. Der strukturarme Chaos-Zustand der Welt spiegelt die Intuition der alten Kosmo- gonen wieder, dass man für den Organisationsprozess ein materielles Substrat und eine kreative Kraft braucht, dass sich jedenfalls ohne eine solche Vorgabe nicht die Existenz und der Aufbau des Universums verstehen lässt. Etwa um 600 vor unserer Zeitrechnung beginnt dann die rationale metaphysische Ära der Kosmologie. Hier werden nun vernunftgeleitete, aber empirisch noch nicht kontrollierbare Weltmodelle konstruiert. Man überlegt sich plausible Szena- rien, wie der Urstoff der Welt aussehen könnte, wie die Basisstruktur beschaffen ist und welches die abgeleiteten Gebilde der Welt sind. Prototypisch für diese Art des Zuganges zum Kosmos sind die Vorstellungen der Vorsokratiker. In diesen Modellen kommt schon eine starke Naturgesetzlichkeit der Welt zum Ausdruck; die Realität ist objektiv erkennbar, die Mathematik spielt noch...

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