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Das naturwissenschaftliche Weltbild am Beginn des 21. Jahrhunderts

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Edited By Bernulf Kanitscheider and Reinhard Neck

Anhand ausgewählter Beispiele wird untersucht, wie die Naturwissenschaften unser gegenwärtiges Weltbild beeinflussen. Dabei wird in einem interdisziplinären Dialog zwischen Vertretern der «exakten» Wissenschaften und Philosophen ausgelotet, ob und wie neuere Erkenntnisse dieser Wissenschaften Weltanschauung und Menschenbild der Gegenwart (und, soweit absehbar, der Zukunft) prägen. Unter anderem werden die Stellung des Menschen im Kosmos, Gehirn und Bewusstsein, Quantenphysik und Realität, Fragen der Evolution sowie das Verhältnis von naturwissenschaftlichem und religiösem Weltbild erörtert.

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6. Das Weltbild der Mathematik – Die Null als Symbol der mathematischen Paradigmenwechsel Rudolf Taschner 109

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Kapitel 6 Das Weltbild der Mathematik – Die Null als Symbol der mathematischen Paradigmenwechsel Rudolf Taschner Es ist höchst erstaunlich, dass die Gelehrten der Antike, welche zurecht als Erfin- der der exakten Mathematik gelten und deren Leistungen – man denke nur an die stupende Genialität des Archimedes, der mit Hebeln Schiffe zum Kentern brachte oder mit Parabolspiegeln deren Segel entzündete – uns heute noch Bewunderung abverlangen, keine Null kannten. Ist es Zufall, ein lächerliches Übersehen des Nichts, für das die Null steht? Oder steckt hinter dem Ignorieren der Null etwas Tiefes? Birgt die Null ein Geheimnis, das zu lüften die Denker der Antike scheuten? Der Ursprung der Mathematik mag Aufschluss darüber geben. Ihr Beginn bei den Pythagoräern ist eng mit den Ursprüngen der europäischen Musik verwoben: Die Griechen erkannten, dass die Halbierung einer Saite die Oktav des Grundtons er- klingen lässt. Wenn man die Saite auf zwei Drittel ihrer Länge verkürzt, hört man die Quint, und wenn man die Saite auf drei Viertel ihrer Länge verkürzt, hört man die Quart. So definieren die Verhältnisse 1:2, 2:3, 3:4 die harmonischsten aller musikalischen Intervalle. Musik, davon waren die Pythagoräer überzeugt, ist Wahrnehmung von Zahlen durch das Ohr. Die harmonischen Zahlenverhältnisse, zur Melodie eines Liedes komponiert, können uns bis zu Tränen rühren und spre- chen unmittelbar zur Seele. Philolaos, ein Schüler des Pythagoras, fasst diese Ein- sicht in wunderbare...

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