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Das naturwissenschaftliche Weltbild am Beginn des 21. Jahrhunderts

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Edited By Bernulf Kanitscheider and Reinhard Neck

Anhand ausgewählter Beispiele wird untersucht, wie die Naturwissenschaften unser gegenwärtiges Weltbild beeinflussen. Dabei wird in einem interdisziplinären Dialog zwischen Vertretern der «exakten» Wissenschaften und Philosophen ausgelotet, ob und wie neuere Erkenntnisse dieser Wissenschaften Weltanschauung und Menschenbild der Gegenwart (und, soweit absehbar, der Zukunft) prägen. Unter anderem werden die Stellung des Menschen im Kosmos, Gehirn und Bewusstsein, Quantenphysik und Realität, Fragen der Evolution sowie das Verhältnis von naturwissenschaftlichem und religiösem Weltbild erörtert.

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10. Affen und Menschen: Zum gegenwärtigen Bild einer erregenden Verwandschaft Franz M. Wuketits 143

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Kapitel 10 Affen und Menschen: Zum gegenwärtigen Bild einer erregenden Verwandtschaft Franz M. Wuketits Sind Affen denn auch Leute? … Nun ja, Nicht ganz, doch so beinah. (Wilhelm Busch) 10.1 Einleitung: Kränkungen ohne Ende Seit Kopernikus bildet die Erde, unser Heimatplanet, nicht mehr den Mittelpunkt des Universums; Darwin und andere „Evolutionisten“ des 19. Jahrhunderts mach- ten deutlich, dass der Mensch nicht das „Ebenbild Gottes“, sondern bloß eines der vielen Lebewesen auf der Erde sei, mit denen ihn aber eine (abgestufte) stammes- geschichtliche Verwandtschaft verbindet. Diesen beiden Kränkungen des Men- schen fügte Freud eine dritte – von ihm selbst bzw. seiner Lehre verursachte – Kränkung hinzu: Unser Verhalten wird maßgeblich von unbewussten Antrieben gesteuert, wir sind nicht „Herren im eigenen Haus“. Diesen drei „klassischen“ Kränkungen der Neuzeit folgten im 20. Jahrhundert weitere (vgl. Vollmer 1992, Weis 1998): beispielsweise die ökologische Kränkung – der Mensch zerstört seine eigenen Lebensgrundlagen und erweist sich als Natur- katastrophe (vgl. Wuketits 1998); oder die neurobiologische Kränkung – die Idee der Willensfreiheit entpuppt sich als Illusion (vgl. z. B. Roth 2003). Es ist zu er- warten, dass die Zahl der Kränkungen des Menschen, der gewohnt war, sich einen gottähnlichen Status oder jedenfalls eine Sonderstellung in der Natur zuzuschrei- ben, noch weiter zunehmen wird. Homo sapiens ist nicht jene hehre Kreatur, die gleichsam über allen Dingen steht, sich die Erde nach Belieben untertan machen kann, sondern bloß eine Primatenspezies: genetisch, anatomisch und hinsichtlich ihres Verhaltens mit den Schimpansen aufs engste verwandt....

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