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Geschlechter-F(r)iktionen – F(r)ictions des genres

Geschlechterphantasien im literarischen Diskurs- Fantasmes des genres dans le discours littéraire

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Gislinde Seybert

Der Band kann als fragmentarische Vergleichende Literatur- und Kulturgeschichte vom 18. bis zum 20. Jahrhundert rezipiert werden. Der erste Teil enthält Aufsätze zu den vieldeutigen Narrativen von George Sand und Donatien-Alphonse-François de Sade mit der ästhetischen Verwandlung der geschlechterspezifischen und realgesellschaftlichen Ungerechtigkeiten ihrer Zeit. Der zweite Teil vertieft die interpretative Analyse der literarischen Bearbeitung von geschlechterspezifischer Ungleichheit, Gewalt und Machtmißbrauch in Aufsätzen zu Casanova, zur Romantik und zur paradoxen Schreibsituation von Schriftstellerinnen wie Yourcenar, Nin, Triolet und Beauvoir bis zu den intellektuell-fantastischen Exzessen von Nothomb.
Ce livre peut être regardé comme les fragments d’une histoire littéraire comparée du 18 e au 20 e siècle. La première partie contient des articles sur les romans et les textes autobiographiques de George Sand et les romans philosophiques de Donatien-Alphonse-François de Sade qui transposent les injustices et la violence sexuée de leurs époques en préfigurant la modernité. La deuxième partie analyse l’inégalité sociale, et les abus du pouvoir dans l’autobiographie de Casanova. Les romantiques Ludwig Tieck et E.T.A. Hoffmann présentent des réalités parallèles. Les articles sur les femmes-écrivains Yourcenar, Nin, Triolet et Beauvoir accentuent la situation paradoxe de la femme qui écrit.

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Einleitung. Geschlechter-F(r)iktionen

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Geschlechterphantasien im literarischen Diskurs Der erste Teil Geschlechter-Fiktionen dieser komparatistischen, als exemplarisch zu verstehenden Literaturgeschichte vom 18. bis zum 20. Jahrhundert, verbindet das romaneske Textbegehren von George Sand mit den Gewaltphantasien im philoso- phischen Roman von D. A. F. de Sade, wie schon ein Literaturkritiker zur Zeit der Autorin, damals allerdings in diffamierender Absicht. George Sand wendet diese Diffamierung ins Positive, zeigt die Verbindungslinien des patriarchalischen Staats- verständnisses mit dessen Gewaltpotential, das sich von de Sade über Robespierre bis ins 20. Jahrhundert zu Carl Schmitt erstreckt; ein Staatsverständnis des Gewalt- monopols, das an die Familie wie Vater, Bruder und Ehemann weitergegeben wird und über das weibliche Schicksal in Abhängigkeit vom großen Ganzen entscheidet. Den gesellschaftlichen Machtmißbrauch, den die gewalttätigen philosophi- schen Romane von de Sade denunzieren, greift George Sand auf, indem sie dagegen anschreibt und Narrative des Verständnisses und der Gerechtigkeit für die Protago- nistinnen erfindet. Schon in ihrem ersten Roman »Indiana« fordert George Sand Gerechtigkeit und Liebe gerade in der Ehe, indem sie die Gewalttätigkeit des Ehe- manns, der der Protagonistin mit dem Stiefelabsatz das Sklavenzeichen auf die Stirn aufdrückt, im Roman öffentlich macht. Die Aufsätze zu George Sand sind, neben dem ersten Arbeits- und Industrieroman der französischen Literatur »La vie noire«, »Die schwarze Stadt« vor Zolas »Travail«, den wenig bekannten autobiographischen Fiktionen des 2. Pleiade-Bandes (Hg. Geor- ges Lubin) gewidmet, in denen die Autorin eigene Lebenssituationen weiblicher Ein- samkeit und Verlassenheit durchspielt, mit deren Gestaltung sie...

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