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Die Dialektik des Geheimnisses

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Edited By Grazyna Kwiecinska

Was mag «Dialektik des Geheimnisses» heißen? Geheimnisse können enthüllt werden, wenn auch nicht immer mit Erfolg, und es gibt offene Geheimnisse, von denen nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen wird. Doch es gibt auch Geheimnisse, die es bleiben und über die man nur Vermutungen anstellen kann, zumal auf den Spuren der hermetischen Literatur. Es ist eine Hermetik, die sich nicht in gewöhnlicher Kommunikationsverweigerung erschöpft, sondern – mit Adorno gesprochen – dialektisch verfasst ist: Ihr Schweigen soll als ein Zeichen, als eine öffentliche Bekundung im weitesten Sinne verstanden werden. Der Betrachtungszeitraum dieses Bandes beginnt im 18. Jahrhundert mit Hamann, Goethe und Novalis. Von dort aus wird ein Bogen ins 21. Jahrhundert geschlagen, bis hin zu Yoko Tawadas Celan-Übersetzung und der Holocaustliteratur der dritten Generation. Das behandelte Textfeld umfasst über die klassische Sphäre hinaus auch politische Programme und kulturphilosophische Entwürfe. Dementsprechend reicht die Bandbreite der verwendeten Methodologien von Ideen- und Diskursgeschichte bis hin zur Textrhetorik, Intertextualität und Intermedialität.

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Anna Wołkowicz: „hart an der Sympathie fürs Okkulte“. Zur Dialektik der Verdunkelung in Ernst Blochs Geist der Utopie (und ihrer Würdigung durch Adorno)

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„hart an der Sympathie fürs Okkulte“1. Zur Dialektik der Verdunkelung in Ernst Blochs Geist der Utopie (und ihrer Würdigung durch Adorno) Anna Wołkowicz 1. Sein dunkles Erstlingswerk schrieb Bloch (geb. 1885) zwischen April 1915 und Mai 19172; es erschien zuerst im Juli 1918, dann in zweiter, veränderter Fassung 1923. Fast ein halbes Jahrhundert später, in der Nachbemerkung zur Neuausgabe der zweiten Fassung von Geist der Utopie, erinnert sich der Verfasser, dieses sein „Sturm und Drang-Buch contra Krieg in Nächten hineingewühlt und durch- gesetzt“3 zu haben. Aber nicht nur durch die Schrecknisse des Weltkriegs wur- den diese Nächte verfinstert, und nicht allein als zu bekämpfende Negativität erscheint dem jungen Bloch das Dunkel. Die „größte Verdunkelung“ der Ge- schichte, in der er zu leben vermeint, hat wahrhaft universalen und dabei dialek- tischen Charakter (sofern wir Dialektik mit dem Umschlagen von Gegensätzen verbinden). Sie erfasst die äußere, objektive Welt ebenso wie das Innere der Menschen und den Bezug zum „Oben“ (also zur Transzendenz). Und gerade als Tiefpunkt der „furchtbarsten Verlassenheit und Gottferne“ markiert sie den „in diesen Tagen wartende[n] Übergang zur Reichszeit“, zur utopischen Erfüllung. Doch lassen wir Bloch selbst zu Wort kommen: Aber wir schwanken gegenwärtig glaubenslos in der größten Verdunklung, sowohl des Inwendigen, als vor allem des Außen und Oben, die jemals in der Geschichte vorkam. Denn: wie für die Fortpflanzung der schwimmenden Wassernuß aufs treff- lichste gesorgt ist, w...

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