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Die Dialektik des Geheimnisses

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Edited By Grazyna Kwiecinska

Was mag «Dialektik des Geheimnisses» heißen? Geheimnisse können enthüllt werden, wenn auch nicht immer mit Erfolg, und es gibt offene Geheimnisse, von denen nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen wird. Doch es gibt auch Geheimnisse, die es bleiben und über die man nur Vermutungen anstellen kann, zumal auf den Spuren der hermetischen Literatur. Es ist eine Hermetik, die sich nicht in gewöhnlicher Kommunikationsverweigerung erschöpft, sondern – mit Adorno gesprochen – dialektisch verfasst ist: Ihr Schweigen soll als ein Zeichen, als eine öffentliche Bekundung im weitesten Sinne verstanden werden. Der Betrachtungszeitraum dieses Bandes beginnt im 18. Jahrhundert mit Hamann, Goethe und Novalis. Von dort aus wird ein Bogen ins 21. Jahrhundert geschlagen, bis hin zu Yoko Tawadas Celan-Übersetzung und der Holocaustliteratur der dritten Generation. Das behandelte Textfeld umfasst über die klassische Sphäre hinaus auch politische Programme und kulturphilosophische Entwürfe. Dementsprechend reicht die Bandbreite der verwendeten Methodologien von Ideen- und Diskursgeschichte bis hin zur Textrhetorik, Intertextualität und Intermedialität.

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Grażyna Kwiecińska: Die Strategien des Verschleierns in Alfred Döblins Roman Hamlet oder die lange Nacht nimmt ein Ende

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Die Strategien des Verschleierns in Alfred Döblins Roman Hamlet oder die lange Nacht nimmt ein Ende Grażyna Kwiecińska Bereits 1946, also kaum ein Jahr nach Kriegsende hatte Alfred Döblin seinen letzten Roman Hamlet oder die lange Nacht nimmt ein Ende, den er 1944 in Kalfornien zu schreiben begann, abgeschlossen. Es vergingen zehn Jahre bis er schließlich in der DDR einen Verleger fand, welcher jedoch dem Autor nahe legte, den Romanschluss zu ändern. 1956 erschien bei Rütten&Loening die bis heute unveränderte Fassung, in der der Protagonist, zwar mit dem Gedanken in ein Kloster zu gehen spielt, doch schließlich vom Autor in die „wimmelnde und geräuschvolle Stadt“1 entlassen wird. Es ist bereits nachgewiesen worden, dass diese Änderung keine grundsätzlichen Konsequenzen für die Interpretation des gesamten Werkes hat.2 Der Titel selbst impliziert, den Ausbruch Hamlets aus seiner kontemplativen Haltung, obwohl auch hier gleich eingewendet werden muss, dass ursprünglich der Roman einfach Hamlet betitelt werden sollte. Im Mittelpunkt des Roman steht ein für Döblins gesamtes Schaffen zentra- les Anliegen; die Frage nach der Möglichkeit autonomen Handelns. In Unser Dasein (1929/33) bestand zwischen dem Einzelnen und der Welt eine Wechsel- beziehung und die Welt geschah auch durch den Einzelnen,3 zehn Jahre später schreibt Döblin in sein Notizbuch in der Koje einer Flüchtlingsbaracke liegend: „Man darf sich den geheimen Kräften nicht widersetzen, die unser Schicksal leiten“.4 Im Hamletroman legt er der Vaterfigur, die...

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