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Die Dialektik des Geheimnisses

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Edited By Grazyna Kwiecinska

Was mag «Dialektik des Geheimnisses» heißen? Geheimnisse können enthüllt werden, wenn auch nicht immer mit Erfolg, und es gibt offene Geheimnisse, von denen nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen wird. Doch es gibt auch Geheimnisse, die es bleiben und über die man nur Vermutungen anstellen kann, zumal auf den Spuren der hermetischen Literatur. Es ist eine Hermetik, die sich nicht in gewöhnlicher Kommunikationsverweigerung erschöpft, sondern – mit Adorno gesprochen – dialektisch verfasst ist: Ihr Schweigen soll als ein Zeichen, als eine öffentliche Bekundung im weitesten Sinne verstanden werden. Der Betrachtungszeitraum dieses Bandes beginnt im 18. Jahrhundert mit Hamann, Goethe und Novalis. Von dort aus wird ein Bogen ins 21. Jahrhundert geschlagen, bis hin zu Yoko Tawadas Celan-Übersetzung und der Holocaustliteratur der dritten Generation. Das behandelte Textfeld umfasst über die klassische Sphäre hinaus auch politische Programme und kulturphilosophische Entwürfe. Dementsprechend reicht die Bandbreite der verwendeten Methodologien von Ideen- und Diskursgeschichte bis hin zur Textrhetorik, Intertextualität und Intermedialität.

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Magdalena Daroc: Aufdecken des Geheimnisses in Thomas Lehrs Novelle Frühling

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Aufdecken des Geheimnisses in Thomas Lehrs Novelle Frühling Magdalena Daroch Mit seiner 2001 veröffentlichten Novelle Frühling schrieb sich Thomas Lehr, Jahrgang 1957 den sog. Autoren der zweiten bzw. schon dritten Generation1 zu, 1 Der Begriff „die zweite Generation“ umschließt im Prinzip die nach dem Krieg gebore- nen Autoren, oder diejenigen, die zwar während des Krieges zur Welt kamen (wie Robert Schindel oder Bernhard Schlink, beide 1944 geb.), aber ihn nicht bewusst erleben konn- ten. Nach Ernestine Schlant umfasst der Begriff „Schriftsteller und Intellektuelle, die in ihrer Jugend den Holocaust überlebten und nach dem Nationalsozialismus ihren Erfah- rungen Ausdruck gaben.“ Die Autoren der „dritten Generation“ hatten nach ihrer Eintei- lung „ihr[en] Debüt vor allem in den achtziger Jahren.“ (Ernestine Schlant: Die Sprache des Schweigens. Die Deutsche Literatur und der Holocaust. Deutsch von Holger Fliess- bach. München: C.H.Beck 2001, S. 293). Bernhard Schlink bezeichnet sich selbst als Au- tor der zweiten Generation: „Im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts wird meine Ge- neration 60. Wir wurden in den letzten Kriegs- und ersten Nachkriegsjahren geboren und sind mit der Bundesrepublik aufgewachsen. [...] Für die meisten von uns war die Ver- gangenheit des Dritten Reichs und des Holocaust prägend. [...] Nach einer Generation, in der gerade die Opfer und Täter Scheu hatten, von der Vergangenheit zu reden, ist meine Generation tonangebend geworden, für die das Reden über die Vergangenheit selbstver- ständlich geworden ist. [...] Bei der nächsten Generation trägt das fatale Früchte....

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