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Sozio-ökonomische Aspekte der Regulierung der Rechnungslegung

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Tim-Frederik Oehr

In den meisten OECD-Ländern ist ein substantieller Wandel der Rechnungslegung feststellbar: Privatisierung und Internationalisierung der Regulierung. Letztendlich hat der Prozess zu einer global wachsenden Bedeutung des IASB und der IFRS geführt. Erklärungsansätze, die bisher eher auf funktionalistischen, ökonomischen Denkmustern beruhen, greifen jedoch zu kurz, insbesondere bei einer Begründung der veränderten Interventionsstaatlichkeit. Wohlfahrtsstaatlichkeit als Ausdruck eines gesellschaftlichen Interesses an Regulierung sowie soziale Netzwerke werden in dieser Arbeit herangezogen, um offene Fragen der Persistenz und Konvergenz unterschiedlicher nationaler Rechnungslegungsregulierungen zu thematisieren. Damit wird ein ergänzender Beitrag zur Erklärung der Dualisierung der Rechnungslegung in kontinentaleuropäischen Ländern sowie der zeitlichen Verzögerung der IFRS-Diffusion geleistet.

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3 Rechnungslegungsregulierung aus wohlfahrtsstaatlicher Perspektive: eine Erklärung für Persistenz

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50 3.1 Wohlfahrtsstaatstypen als Ausdruck einer unterschiedlichen gesellschaftlichen Nachfrage nach staatlicher Intervention Staaten sind facettenreiche Gebilde, in denen unterschiedliche Aktivitäten statt- finden und koordiniert werden. Aus einer funktionalistischen Perspektive beste- hen Staaten aus vier sich teils überschneidenden Dimensionen: die Ressourcen-, die Rechts-, die Legitimations- und die Wohlfahrtsdimension (Zürn/Leibfried, 2005). In den 1960er und 1970er Jahren, dem „goldenen Zeitalter“ des National- staats, akkumulierten OECD Staaten alle vier Dimensionen auf der national- staatlichen Ebene. Eine zentrale Stellung nimmt diesbezüglich die wohlfahrts- staatliche Dimension ein, die die OECD Staaten bis zum Ende der 1970er Jahre stark geprägt hat, wenn auch in unterschiedlicher Art und Weise. Diese Dimen- sion beschreibt den Staat als Interventionsstaat, dessen Interventionen vor dem Hintergrund stattfinden, die Wohlfahrt der Bürger zu sichern (ausführlich Hurrelmann et al., 2008: 25 f.). Wohlfahrtssichernde Eingriffe sollen zumeist wirtschaftliches Wachstums erleichtern und fördern, aber auch die soziale Gleichheit bzw. Gleichberechtigung der Bürger herstellen. Der Begriff des „Wohlfahrtsstaates“ lässt sich jedoch nur schwer definieren, da es sich hierbei um einen Sammelbegriff handelt, unter dem die Vielzahl der staatlichen Aktivi- täten sowie die individuell-staatlichen Merkmale der Interventionen zusammen- gefasst werden (Pierson, 2001). Ein Indiz dafür ist, dass es keine wirklich ein- heitliche Begriffsbestimmung gibt, sondern eine Fülle unterschiedlich eng oder weit gefasster Definitionen parallel existieren. Ein Berührungspunkt zwischen allen Definitionen ist jedoch, dass die Wohlfahrtsdimension im Allgemeinen als eine Dimension begriffen wird, welche die allokativen ökonomischen Begrün- dungsfiguren für Staatsinterventionen, die Abfederung...

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