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Sprachstrukturelle Unterschiede und Strategien im Simultandolmetschen

Eine Untersuchung anhand der Sprachenpaare Französisch-Deutsch und Englisch-Deutsch

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Anja Jane Niemann

Im Rahmen einer Korpusstudie, der ein reales Konferenzgeschehen mit erfahrenen, bei der EU akkreditierten Dolmetschern zugrunde liegt, werden in dieser Untersuchung Fragen des Simultandolmetschprozesses und der Sprachspezifik untersucht. Die Studie zeigt, dass sprachstrukturelle Unterschiede ein strategisches Vorgehen beim Simultandolmetschen bedingen und dass die dolmetscherspezifische Arbeitsweise durch Indikatoren erfassbar und beschreibbar wird und andere, das dolmetscherische Vorgehen bestimmende Faktoren, dominiert. Die Arbeit vergleicht Simultanverdolmetschungen aus dem Englischen und Französischen ins Deutsche.

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1 Einleitung

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In the days when Bismarck was the greatest man in Europe, an American visitor to Berlin, anxious to hear the Chancellor speak, procured two tickets to the visitors’ gallery of the Reichstag and hired an interpreter to accom- pany her there. They were fortunate enough to arrive just before Bismarck intervened in a debate on a matter of social legislation, and the American pressed close to her interpreter’s side so as to miss nothing of the transla- tion. But although Bismarck spoke with considerable force and at some length, the interpreter’s lips remained closed, and he was unresponsive to his employer’s nudges. Unable to contain herself, she finally blurted, ‚What is he saying?’ ‚Patience, madam,’ the interpreter answered, ‚I am waiting for the verb!’ (Craig 1982: 310) Eine von zahlreichen kursierenden Anekdoten, in denen sich Angehörige an- derer Sprachkulturen mockierend bis verzweifelt über die deutsche Verb- endstellung äußern, bringt hier das vermeintliche Problem des späten Verbs mit dem Dolmetschen in Verbindung. Der Dolmetscher1 scheint die an ihn gestellten Erwartungen der Kundin (ausgangssprachbedingt) nicht zu erfül- len. Damit bezieht diese Anekdote ohne jeglichen dolmetschwissenschaftli- chen Hintergrund Stellung zu einer dolmetschwissenschaftlichen Kernfrage: Ist der Dolmetschprozess durch die Gegebenheiten der beteiligten Sprachen bedingt? Oder anders gefragt: Ändern sich Dolmetschstrategien in Abhän- gigkeit vom Sprachenpaar?2 Im Simultandolmetschprozess nutzt der Dolmetscher bestimmte Strategien (je nach Autor auch Techniken, Taktiken), um diversen Problemen zu be- gegnen. Gile spricht gar davon, dass der Simultanmodus einem ständigen Krisenmanagement...

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