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Galizien im Diskurs

Inklusion, Exklusion, Repräsentation

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Edited By Paula Giersch, Florian Krobb and Franziska Schößler

Die politischen Grenzen des habsburgischen Kronlands Galizien wurden 1772 wie auf dem Reißbrett festgelegt, so dass ein überaus heterogenes Gebilde entstand. Galizien war seitdem Projektionsfläche für unterschiedlichste politische und kulturelle Vorstellungen, für identitäre Fragen der Zugehörigkeit und der Abgrenzung sowie für vielfältige Versuche, die Fremdheit und das Bedrohungspotenzial der ‘östlichen’ Region zu fixieren. Der Band rekonstruiert die einschlägigen Diskurse über Galizien, wie sie zunächst in Statistiken und Reiseberichten des 18. Jahrhunderts fassbar werden. Noch die Texte jüdischer Schriftsteller und Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts, die die traumatische Vernichtung der ostjüdischen Shtetl-Welt bearbeiten, nehmen kritisch auf diese Bezug. Zugleich soll gezeigt werden, dass Ansätze wie die Diskursanalyse und die postkolonialen Studien den Untersuchungsgegenstand neu konturieren.

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II. Shtetl-Phantasien und Identität

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Heiraten mit Herz oder Verstand. Karl Emil Franzos’ Die Juden von Barnow und der Liebesdiskurs im 19. Jahrhundert Paula Giersch I Der Liebesdiskurs als kultureller Code 1821 griff Hegel in seinem Werk Grundlinien der Philosophie des Rechts in die Diskussion um Liebe und Ehe ein, die sich in wesentlichen Teilen zwi- schen den beiden Polen einer romantischen Verinnerlichung einerseits und einer rationalen Reflexion der Liebe andererseits abspielte. Die Grund- frage war, was das ausschlaggebende Moment eines Eheversprechens sein solle beziehungsweise was zuerst da sein müsse: die Vernunft, aus der sich die Liebe im Laufe der Ehe entwickeln werde, oder die Liebe, die allein das ›Vernünftige‹ einer lebenslangen Verbindung sei. Ohne sich scheinbar festlegen zu wollen, stellt Hegel die beiden Konzepte von Liebes- und Vernunftheirat in ihrer prinzipiellen Unterschiedlichkeit nebeneinander, spezifiziert sie jedoch gleichzeitig durch qualitative Bewertungen: Die objektive Bestimmung, somit die sittliche Pflicht, ist, in den Stand der Ehe zu treten. Wie der äußerliche Ausgangspunkt beschaffen ist, ist seiner Natur nach zufällig und hängt insbesondere von der Bildung der Reflexion ab. Die Extreme hierin sind das eine, daß die Veranstaltung der wohlgesinnten Eltern den Anfang macht und in den zur Vereinigung der Liebe füreinander bestimmt werdenden Personen hieraus, daß sie sich, als hierzu bestimmt, bekannt werden, die Neigung entsteht, – das andere, daß die Neigung in den Personen, als in diesen unendlich partikularisierten, zuerst erscheint. – Jenes Extrem oder über- haupt der Weg, worin der Entschluß zur Verehelichung den Anfang macht und die Neigung zur Folge...

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