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Galizien im Diskurs

Inklusion, Exklusion, Repräsentation

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Edited By Paula Giersch, Florian Krobb and Franziska Schößler

Die politischen Grenzen des habsburgischen Kronlands Galizien wurden 1772 wie auf dem Reißbrett festgelegt, so dass ein überaus heterogenes Gebilde entstand. Galizien war seitdem Projektionsfläche für unterschiedlichste politische und kulturelle Vorstellungen, für identitäre Fragen der Zugehörigkeit und der Abgrenzung sowie für vielfältige Versuche, die Fremdheit und das Bedrohungspotenzial der ‘östlichen’ Region zu fixieren. Der Band rekonstruiert die einschlägigen Diskurse über Galizien, wie sie zunächst in Statistiken und Reiseberichten des 18. Jahrhunderts fassbar werden. Noch die Texte jüdischer Schriftsteller und Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts, die die traumatische Vernichtung der ostjüdischen Shtetl-Welt bearbeiten, nehmen kritisch auf diese Bezug. Zugleich soll gezeigt werden, dass Ansätze wie die Diskursanalyse und die postkolonialen Studien den Untersuchungsgegenstand neu konturieren.

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III. Erinnerung und Mythos

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Für einen performativitätstheoretischen Zugang zur autobiographischen Konstruktion Galiziens. Am Beispiel der Lebenserzählungen Alexander Granachs und Ella Schapiras Alexandra Strohmaier Der vorliegende Beitrag möchte anhand einer Lektüre der Lebenserzählun- gen Alexander Granachs und Ella Schapiras das mögliche Erkenntnispo- tential aufzeigen, das ein performativitätstheoretisch orientierter Zugang zur autobiographischen Konstruktion Galiziens eröffnen kann. Dabei wird das Theorem des Performativen, wie es 1955 von John Austin in die Sprachphilosophie eingeführt wurde und in der zeitgenössischen kul- turwissenschaftlichen Theoriebildung eine Revision und Profilierung erfährt,1 methodisch nutzbar gemacht. Ein performativitätstheoretischer Ansatz sprachphilosophischer Provenienz erlaubt es, die subjekt-, iden- titäts- und realitätskonstituierende sowie -transformierende Funktion au- tobiographischer Narration als kommunikatives Geschehen in den Blick zu nehmen und dessen mediale Bedingtheit zu reflektieren.2 Ein derartiger Ansatz erscheint, wie im vorliegenden Beitrag argumentiert wird, insbe- sondere aufgrund der dominanten positivistischen Tradition in der lite- raturwissenschaftlichen Rezeption des Topos Galizien angebracht, in der repräsentationslogische Konzeptionen von ›Sprache‹ sowie substantialis- tische Identitäts-, Raum- und Kulturkonzepte vorherrschen und tenden- ziell essentialisierende Lesarten bedingen. Darüber hinaus erscheint ein performativitätstheoretisch perspektivierter Ansatz gerade auch aufgrund der spezifischen Situiertheit der hier betrachteten Texte in der jüdischen Tradition geboten: Wie Dorothee Gelhard in Anlehnung an Thorleif Boman 1 Zur Rezeption des Austin’schen Theorems in der zeitgenössischen Theoriebil- dung vgl. etwa Wirth, Uwe (Hg.): Performanz. Zwischen Sprachphilosophie und Kulturwissenschaften. Frankfurt a.M. 2002; Eckard, Rolf: Der andere Austin. Zur Rekonstruktion / Dekonstruktion performativer Äußerungen – von...

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