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Bilingualen Unterricht weiterdenken

Programme, Positionen, Perspektiven

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Edited By Bärbel Diehr and Lars Schmelter

Der Bilinguale Unterricht in Deutschland entwickelt sich derzeit zu einem Regelangebot. Bei dieser Entwicklung wird jedoch die sachfachliche Kompetenz in Theorie, Forschung und Praxis noch nicht im wünschenswerten Maße berücksichtigt. In der europäischen Diskussion um Content and Language Integrated Learning interessiert vor allem die fremdsprachliche Kompetenz. Die Rolle der schulischen Erstsprache sowie der Aufbau fachlicher Literalität in zwei Sprachen werden kaum berücksichtigt. Dieser Band bilanziert die Entwicklung des Bilingualen Unterrichts. Er vereint Beiträge aus Forschung, Ausbildung und Schule, die sich aus unterschiedlichen Fachperspektiven mit seinen derzeitigen Herausforderungen befassen. Eine konzeptuelle Klärung und Weiterentwicklung des Bilingualen Unterrichts sowie der darauf bezogenen Lehrerbildung scheinen notwendig. Dazu soll dieses Buch einen Diskussionsbeitrag leisten.

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Peter Geiss: Bilingualer Geschichtsunterricht. Ein Modell für das historische Lernen im global village

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55 Peter Geiss Bilingualer Geschichtsunterricht. Ein Modell für das historische Lernen im global village1 1. Einleitung Bilingualer Geschichtsunterricht unterstützt zweifellos das Erlernen von Fremd- sprachen. Er schafft durch seinen Bezug auf fachliche Fragestellungen Sprechan- lässe, die der natürlichen Verwendung von Sprache als Instrument der Problem- lösung nahe stehen (vgl. De Florio-Hansen 2003: 17; Thürmann 2000: 81). Zu- dem bietet er aufgrund eines höheren Maßes an grammatischer, lexikalischer und phonetischer Fehlertoleranz ein Experimentierfeld, auf dem sich Schüler2 mögli- cherweise unbefangener einer Fremdsprache bedienen, als sie dies im Englisch-, Französisch- oder Spanischunterricht tun würden. In der geschichtsdidaktischen Diskussion besteht allerdings weithin Konsens in der Auffassung, dass diese Vorzüge für eine fachliche Legitimation des bilingualen Unterrichts irrelevant sind, da die Lernziele des Schulfaches Geschichte der entscheidende Beurteilungs- maßstab bleiben müssen (vgl. Kuhn 2009: 7). Zur Rechtfertigung bilingualer Un- terrichtsangebote bedarf es daher des Nachweises, dass die Qualität des histori- schen Lernens durch die Verwendung einer Fremdsprache zumindest nicht be- einträchtigt wird, sofern sich nicht sogar ein fachlicher Mehrwert ergibt. Dieser Nachweis ist trotz intensiver Bemühungen auf empirischem Wege schwer zu erbringen. Wenn bilinguale Lerngruppen in vergleichenden Untersuchungen zu differenzierteren Arbeitsergebnissen gelangen als muttersprachliche (vgl. Clemen & Sauer 2007: 723; Lamsfuß-Schenk 2008: 247-249), muss dies nicht unbedingt auf die Leistungsfähigkeit des bilingualen Unterrichts zurückzuführen sein. Ein solcher Befund kann genauso gut dem erfahrungsgemäß über die Fächergrenzen hinweg überdurchschnittlich hohen intellektuellen Niveau...

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