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Psychologen in autoritären Systemen

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Edited By Theo Herrmann and Wlodek Zeidler

Dieser Sammelband stellt die Lebensläufe oder markante Lebensabschnitte von 16 Psychologen unter Nationalsozialismus und polnischem Staatskommunismus dar. Dabei wurden die Biographien teilweise anhand bisher unbekannter Dokumente erarbeitet. Die Beiträge machen deutlich, dass die Schicksale der Psychologen außerordentlich verschieden waren: Es gab Emigration und Deportation, Hinrichtung und Ermordung, es gab Mitläufer, Intriganten, Opportunisten und Gesinnungstäter, aber auch Solidarität und bis heute fast unbekannte Widerstandskämpfer. Zu verzeichnen waren dabei vielerlei Gedächtnislücken und Schönfärbereien. Wenn auch die Psychologen von beiden Diktaturen in ähnlicher Weise beeinflusst wurden, so fasziniert doch die ganze Vielfalt individueller und letztlich einmaliger Lebensläufe.

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Wlodzimierz Szewczuk:Ein Psychologe und ein Kind seiner Zeit. Pawel Izdebski und Wlodek Zeidler

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183 Wodzimierz Szewczuk: Ein Psychologe und ein Kind seiner Zeit Pawe Izdebski und Wodek Zeidler 1. Vorbemerkungen Wodzimierz Szewczuk (1913-2002) war nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges einer der einflussreichsten polnischen Psychologen und erfreute sich des Vertrauens der damaligen Machthaber. Seine Bücher und Schriften wurden ohne Einschrän- kung gedruckt. Als Gutachter galt sein Wort als Bestätigung von Habilitationen. Ohne eine gewisse Zusammenarbeit mit der damaligen politischen Macht war dies unmöglich. Wie – zu der Zeit – auch andere Psychologen war Szewczuk Mitglied der kommunistischen Partei (PVAP). Da er – als Hochschullehrer und Institutsdi- rektor – 1980 den von General Jaruzelski eingeführten „Kriegszustand“ unterstütz- te1, war er bestimmt auch ein disziplinierter Parteigenosse. Die Gründe für seine Haltung und die Einzelheiten seiner damaligen Handlungen sind bis heute nicht ganz eindeutig und verständlich geklärt. In seiner 1992 veröffentlichten „Selbstdar- stellung“ klammerte er seine politischen Ansichten, Handlungen und Erfolge aus. Um diese Rätsel zu lösen wären umfangreiche Archivstudien unerlässlich. Da uns Wodzimierz Szewczuk hier als Psychologe und nicht als Politiker oder Funktionär der kommunistischen Partei interessiert, werden wir diesen Faden nicht weiter verfolgen. Dies schaffen wir jedoch nur mit dem Bewusstsein, dass die Epo- che – laut Wisawa Szymborska2 – politisch war und die Menschen waren ihre Kin- der. Sowohl Szymborska, wie auch Szewczuk waren Kinder der politischen Epo- che. Wichtig und entscheidend war also, in der Tat, nicht die Zugehörigkeit zu der Epoche, sondern die politische Identität. Man hatte sie oder...

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