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Psychologen in autoritären Systemen

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Edited By Theo Herrmann and Wlodek Zeidler

Dieser Sammelband stellt die Lebensläufe oder markante Lebensabschnitte von 16 Psychologen unter Nationalsozialismus und polnischem Staatskommunismus dar. Dabei wurden die Biographien teilweise anhand bisher unbekannter Dokumente erarbeitet. Die Beiträge machen deutlich, dass die Schicksale der Psychologen außerordentlich verschieden waren: Es gab Emigration und Deportation, Hinrichtung und Ermordung, es gab Mitläufer, Intriganten, Opportunisten und Gesinnungstäter, aber auch Solidarität und bis heute fast unbekannte Widerstandskämpfer. Zu verzeichnen waren dabei vielerlei Gedächtnislücken und Schönfärbereien. Wenn auch die Psychologen von beiden Diktaturen in ähnlicher Weise beeinflusst wurden, so fasziniert doch die ganze Vielfalt individueller und letztlich einmaliger Lebensläufe.

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Wolfgang Köhler:Die Verantwortung für die eigene Identität. Wlodek Zeidler

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249 Wolfgang Köhler: Die Verantwortung für die eigene Identität Wodek Zeidler 1. Einführung Betrachtet man einen bestimmten Lebenslauf aus unterschiedlichen Blickwin- keln, dann kann man zu Biographien gelangen, die miteinander nicht viel Ge- meinsames haben. Welches Bild ist richtig? Kann man überhaupt in Bezug auf eine Biographie von Richtigkeit sprechen? Es ist ja möglich, manchmal sogar sinnvoll, einen Lebenslauf aus verschiedensten Blickwinkeln zu betrachten. Gelegentlich ist es sinnvoll zu reflektieren, besonders wenn nur ein bestimmter Abschnitt aus dem Lebenslauf betrachtet wird. Dies lohnt sich allerdings nur dann, wenn die Inhalte oder Bilder vor einem bestimmten und bekannten Hinter- grund erscheinen. In meinem Referat (vgl. Zeidler, 2011) auf der Tagung über europäische Psychologie in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen1 habe ich über das Handeln von Wolfgang Köhler in der Zeit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten gesprochen. Meine Bemerkungen habe ich damals auf die Einschätzung seines Verhaltens durch Mary Henle2 bezogen. Im Mittelpunkt meines Interesses stand dabei der oft zitierte, aber in Polen noch immer fast unbekannte Zeitungsartikel von Wolfgang Köhler Gespräche in Deutschland (Köhler, 1933a). Ohne Zweifel war Wolfgang Köhler sehr mutig. Seine Umge- bung wusste einzuschätzen, wie groß die drohende Gefahr für ihn, seine Familie und seine Freunde hinsichtlich des Artikels in der Deutschen Allgemeinen Zei- tung war. Die Erinnerungen an den Tag und den Abend dieses Tages haben sich tief in das Gedächtnis eingeprägt. Aus diesem Grund wusste Mary Henle (1978,...

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