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Entwicklungs- und Menschenrechtsvorstellungen von unten

Eine vergleichende Untersuchung anhand ausgewählter Beispiele indigener Bevölkerung

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Daniel Stosiek

Dieses Buch befasst sich mit den Vorstellungen von Entwicklung, Menschenrechten und einem guten Leben aus der Sicht marginalisierter Gruppen. Im Fokus stehen indigene Völker in Lateinamerika (insbesondere die Mapuche in Chile) und Beduinen bzw. PalästinenserInnen. Der Vergleich dieser sehr unterschiedlichen Gesellschaften, die die europäische Kolonisierung gemeinsam haben, erweist sich als sehr ergiebig. Die Äußerungen in Interviews und Gesprächen bilden den Ausgangspunkt für eine Suche nach einer neuen, dialogischen, ‘postkolonialen’ und daher alternativen Globalisierung, in der die Stimmen und Realitäten der subalternisierten Subjekte nicht mehr ausgelöscht werden.

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1. Konfliktivität – Ungleichheit

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1.1 Kolonialismus – Kapitalismus – Rassismus Nach Jared Diamond4 begann die Geschichte der Ungleichheit in der Mensch- heit als Folge der Prozesse des Sesshaftwerdens, die in unterschiedlichen Gebie- ten der Erde aufgrund sich unterscheidender Umweltvoraussetzungen in sehr verschiedener Intensität, Zeit und Geschwindigkeit erfolgte. Zu den unterschied- lichen Umweltvoraussetzungen gehörten die jeweils vorfindliche Menge an do- mestizierbaren Pflanzen und Tierarten (die z.B. in West- und Ostasien hoch, in Amerika und Afrika niedriger und in Australien fast überhaupt nicht gegeben war) und die naturwüchsige Ausbreitungsmöglichkeit einmal kulturvierter Ar- ten, die beispielsweise auf der Ost-West-Achse in Eurasien wegen des relativ gleich bleibenden Klimas weitaus besser gegeben war als auf einer Nord-Süd- Achse wie in Amerika oder Afrika. Auf diese verschiedenen Anfangsvorausset- zungen seien dann die dadurch verursachten Folgeentwicklungen ebenfalls in unterschiedlicher Intensität und Geschwindigkeit erfolgt wie die Zunahme der Anzahl der Menschen pro Fläche, hierarchischere Organisierung, Entstehung von Stadtkulturen, technische Entwicklung, Schrift. Und erst in einem zweiten Schritt, nachdem eine primäre Ungleichheit naturwüchsig entstanden sei, hätten die technisch ungleich stärkeren Gemeinwesen und Gesellschaften die im tech- nischen Sinne schwächeren Kulturen jeweils verdrängt, erobert, ermordet oder versklavt. Dies ist eine nachvollziehbare Erklärung, die viele Aspekte der Ent- stehung der Großreiche von den Expansionen der altorientalischen Reiche über das Römische Reich bis hin zum europäischen Kolonialismus erklären kann, welchletzterer ebenfalls nach einer relativ erfolgreichen Entwicklung der Land- wirtschaft im nördlicheren Europa erfolgte. Wolfgang Reinhard5 definiert den Kolonialismus als...

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