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Entwicklungs- und Menschenrechtsvorstellungen von unten

Eine vergleichende Untersuchung anhand ausgewählter Beispiele indigener Bevölkerung

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Daniel Stosiek

Dieses Buch befasst sich mit den Vorstellungen von Entwicklung, Menschenrechten und einem guten Leben aus der Sicht marginalisierter Gruppen. Im Fokus stehen indigene Völker in Lateinamerika (insbesondere die Mapuche in Chile) und Beduinen bzw. PalästinenserInnen. Der Vergleich dieser sehr unterschiedlichen Gesellschaften, die die europäische Kolonisierung gemeinsam haben, erweist sich als sehr ergiebig. Die Äußerungen in Interviews und Gesprächen bilden den Ausgangspunkt für eine Suche nach einer neuen, dialogischen, ‘postkolonialen’ und daher alternativen Globalisierung, in der die Stimmen und Realitäten der subalternisierten Subjekte nicht mehr ausgelöscht werden.

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4. Hypothesenartige Vorüberlegungen

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Aus meinen praktischen Vorerfahrungen, die sich aus Aktivitäten als Menschen- rechtsbeobachter in indigenen Gemeinden in Chiapas/Mexiko52, als Ökumeni- scher Begleiter53 in Palästina/Israel, u.a. in einem palästinensischen Dorf, und aus zwei Praktika in nichtstaatlichen Menschenrechtsorganisationen in Cuerna- vaca (Mexiko) und Valdivia (Chile), wo sich Arbeit jeweils auf indigene Ge- meinwesen bezog, ergeben, sowie aus verschiedener Lektüre, leitete ich zu Be- ginn meiner Untersuchungen vier Vorüberlegungen ab: 1. Es gibt bei den indigenen Gesellschaften eigene Vorstellungen von Entwick- lung wie auch von Menschenrechten und Menschenwürde. Diese Vorstellun- gen gehen zum einen Teil in die Richtung, dass die entsprechenden Bevölke- rungsgruppen ihr eigenes Gesellschafts-“System” erhalten bzw. wiederher- stellen und nach außen schützen wollen (politische, wirtschaftliche, rechtli- che, bildungs- und gesundheitsbezogene Aspekte), was auf “Abschottung” oder die Forderung eines rechtlichen Freiraums hinauslaufen kann. Und zum andern Teil – sei es widersprüchlich oder komplementär – suchen sie An- schluss an die sogenannte Moderne, d.h. die westliche Kultur, wollen an den Vorzügen der okzidentalen Gesellschaft teilhaben und nicht mehr aus- geschlossen sein. 2. Sowohl dort, wo die Entwicklungsvorstellungen der indigenen Bevölke- rungsgruppen von der “westlich” geprägten Entwicklung der jeweiligen Staa- ten abweichen, als auch dort, wo sie sich von den Vorzügen der Modernisie- rung ausgeschlossen fühlen, kommt es zu Konflikten. 3. Die “Unterentwickeltheit” bzw. die Problematik der Armut und der Konflik- te, welche überhaupt an “Entwicklungshilfe” wie an Friedens- und Men- schenrechtsarbeit denken lässt, ist selber Folge der Art und...

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