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«Und Faustens Silhouette in der Ferne»

Beiträge zu Poetik und Linguistik: Deutsch – Russisch

Larissa Naiditsch

Die im Buch versammelten Aufsätze befassen sich mit Themen aus den Bereichen der Sprachwissenschaft, der Stilistik und der Analyse des poetischen Textes. Das sind z.B. der Zusammenhang zwischen Grammatik und Poetik, die Theorie der Übersetzung und die historische Lexikologie. Die Autorin geht Roman Jakobsons Frage nach, was eine verbale Botschaft zu einem Kunstwerk macht. Sie beleuchtet auch wechselseitige Widerspiegelungen zwischen deutscher und russischer Sprache und Literatur, z.B. anhand der Übersetzungen von V.A. Žukovskij, der Einwirkung Ossip Mandelstams auf Paul Celan, der russischen und deutschen Ethno-Adjektive und des Geschicks der russischen Germanistik während des Zweiten Weltkriegs. Die Erforschung der Dialekte und der Geschichte der Russlanddeutschen bildet einen selbständigen Abschnitt.

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Zur Dichtung Paul Celans

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Anmerkungen zur Deutung von Celans „Huhediblu“ „Huhediblu“ ist eines der rätselhaften Gedichte von Paul Celan. Schon sein Titel ist ein Nonsense-Wort, das unterschiedliche Assoziationen hervorruft. Viele Wendungen und Worte im Gedicht sind mehrdeutig, sie können nicht endgültig entschlüsselt werden. Aber gerade so sind sie realitätsbezogen. „Glauben Sie mir – jedes Wort ist mit direktem Wirklichkeitsbezug geschrieben“144 – diese Äuβe- rung von Celan, die er an seinen Freund Arno Reinfrank gerichtet hat, zeugt von den weiten Perspektiven der Celan-Forschung. Dass dies auch für „Huhediblu“ und andere Gedichte des Zyklus „Die Niemandsrose“ gilt, haben einige For- schungen gezeigt145, deren Ergebnisse im Band der Kommentare zum Gedichts- band „Die Niemandsrose“ zusammengefasst wurden146. Ulrich Konietzny hat das Hauptthema von „Huhediblu“ treffend bestimmt: „Das Gedicht setzt sich mit Po- sitionen der zeitgenössischen Literatur und des sogenannten ‚Literaturbetriebs‘ einerseits, dem Erwachen des Neonazismus andererseits auseinander“147. Die biographischen Bezüge des Gedichts sind vor allem mit der sog. Plagiats- affäre verbunden: Claire Goll, die Witwe von dem Dichter Ivan Goll, bezichtigte Celan des Plagiats, was selbstverständlich keine Gründe hatte. Celan fühlte sich gehetzt. Die Diffamierungskampagne und die Hetze, die gegen Celan gerichtet wurden, einschließlich Rezensionen einiger Kritiker, waren für ihn eines der mehreren Zeichen des Antisemitismus und des Neonazismus in Europa. Davon 144 Zitiert nach: James K.Lyon. Der Holocaust und nicht-referentielle Sprache in der Lyrik Paul Celans. In: Celan-Jahrbuch. Heidelberg, Universitätsverlag C.Winter, 1993, 5, S.247-270. S. 257. 145 Joel Golb. Celan’s „Tones...

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