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«Und Faustens Silhouette in der Ferne»

Beiträge zu Poetik und Linguistik: Deutsch – Russisch

Larissa Naiditsch

Die im Buch versammelten Aufsätze befassen sich mit Themen aus den Bereichen der Sprachwissenschaft, der Stilistik und der Analyse des poetischen Textes. Das sind z.B. der Zusammenhang zwischen Grammatik und Poetik, die Theorie der Übersetzung und die historische Lexikologie. Die Autorin geht Roman Jakobsons Frage nach, was eine verbale Botschaft zu einem Kunstwerk macht. Sie beleuchtet auch wechselseitige Widerspiegelungen zwischen deutscher und russischer Sprache und Literatur, z.B. anhand der Übersetzungen von V.A. Žukovskij, der Einwirkung Ossip Mandelstams auf Paul Celan, der russischen und deutschen Ethno-Adjektive und des Geschicks der russischen Germanistik während des Zweiten Weltkriegs. Die Erforschung der Dialekte und der Geschichte der Russlanddeutschen bildet einen selbständigen Abschnitt.

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Beiträge zur Folklore

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Imperativsätze im russischen Zaubermärchen Die Kompositionsstruktur des Zaubermärchens mit ihren gattungsspezifischen Einheiten wurde 1928 von dem russischen Folkloristen Vladimir Propp in sei- nem Buch „Morphologie des Märchens“ erforscht und beschrieben267. Nach Propp gibt es im Sujet des Zaubermärchens konstante und variable Größen; er stellt sich zum Ziel, die ersteren zu untersuchen. Zu solchen wiederkehrenden Elementen gehören die handelnden Personen, die bestimmte Funktionen voll- bringen. „So stellen z.B. sowohl die Baba Jaga, als auch Morozko, der Bär, der Waldgeist und der Kopf der Stute die Stieftochter auf die Probe und belohnen sie anschließend“268. Sie tun ein und dasselbe. Die Anzahl solcher Funktionen ist begrenzt, wie auch diejenige der Personen, die sie vollbringen. Als solche sind z.B. im Zaubermärchen der Held, der Widersacher, der Schenker, der Aussender des Helden u.a. zu sehen. Somit ist die narrative Struktur des Zaubermärchens immer ein und dieselbe; sie bestimmt diese Gattung: „Alle Zaubermärchen gehö- ren hinsichtlich ihres Aufbaus zu einem einzigen Typ“269. Nur konkrete Bege- benheiten, d.h die konkrete Ausfüllung des Schemas, unterscheiden sich vonein- ander. So variieren der Vorwand der Wegsendung oder die Motivierung des Verbots u.ä. je nach Märchen. In diesem Zusammenhang wäre die Frage berechtigt, ob die beständigen Komponenten des Sujets auch bestimmte sprachliche Mittel erfordern. Dass Märchen manche Formeln enthalten, ist klar; so z.B. „Es war einmal“ am Anfang der deutschen Texte270. Trotzdem kann man kaum von einer einheitlichen gram- 267 В.Я.Пропп. Морфология сказки. Изд. 2-...

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