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Gustav Mahlers Zehnte Symphonie

Entstehung, Analyse, Rezeption

Jörg Rothkamm

Diese Arbeit wurde mit dem Karl Heinz Di tze-Preis der Universität Hamburg ausgezeichnet.
Obwohl Gustav Mahlers Entwurf zu einer Zehnten Symphonie im Particell durchgehend ausgeführt ist, galten große Teile des Instrumentalwerks lange als skizzenhaft und unfertig. Die gründliche Analyse des Notentextes zeigt nun, dass die Form aller fünf Sätze wie auch der Gesamtanlage symphonisch ausgestaltet ist. Mahler entwickelte in diesem Werk nicht nur seine motivische Variantentechnik weiter, sondern hat auch – mehr noch als in der Neunten Symphonie – in rhythmischer, harmonischer und formaler Hinsicht Teil am Aufbruch der musikalischen Moderne um 1910. Durch die Rekonstruktion der Entstehungsgeschichte und die Einbeziehung zahlreicher, bislang unbekannter Quellen können außerdem biographische Bezüge und der Gehalt der Komposition genauer interpretiert werden. Im dritten Teil des Buches wird schließlich die gesamte Rezeptionsgeschichte des Werkes dargestellt – von den ersten Aufführungsbemühungen Alma Mahlers bis hin zu einem Vergleich der insgesamt sechs mittlerweile öffentlich aufgeführten orchestralen Gesamtfassungen.

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Einleitung

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In den letzten vier Jahren vor seinem Tod 1911 komponierte Gustav Mahler drei Symphonien, von denen er nur zwei fertig stellen konnte: das Lied von der Erde und die Neunte Symphonie. Mit ihnen verwirklichte er einen neuen Stil in seinem Schaffen, der in die Modeme fortwirkte. Während die Tonsprache im Lied von der Erde um Pentatonik und Ganztonskaien erweitert ist, bietet die Neunte Symphonie eine teilweise hoch komplexe Polyphonie und in formaler Hinsicht neuartige Lösungen. Dass der Entwurf zur Zehnten Symphonie noch näher an die Musiksprache der Modeme heranführen würde, musste wenig überraschen, vor allem, wenn man sich das zeitgenössische Umfeld vergegen- wärtigt, in welchem er entstand. Schließlich waren im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts die entscheidenden Schritte für den Aufbruch in eine musikali- sche Zukunft erfolgt. Richard Strauss hatte in seiner Oper Elektra 1908 die Harmonik erstmals konsequent aus der dramaturgischen Spannungskurve ab- geleitet, Igor Stravinskij wenig später in seinem Feuervogel-Ballett unerhörte Farbmischungen erfunden. Nachdem Amold Schönberg 1909 mit seinen Kla- vierstücken op. 11 das erste rein atonale Werk geschaffen hatte, realisierte er im selben Jahr noch die Technik der Klangfarbenmelodie im Orchesterstück op. 16/3. Kurz darauf sollten Bela Bart6ks Oper Herzog Blaubarts Burg mit ihren neuen Formlösungen sowie dessen Klavierstück Allegro barbaro mit seinen bruitistischen Rhythmen folgen. Die Frage, ob und inwieweit Mahler mit seiner Zehnten Symphonie an diesen Entwicklungen teilhatte, ist ein erster Anlass, sich mit seiner letzten Kompositi- on n...

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