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Gustav Mahlers Zehnte Symphonie

Entstehung, Analyse, Rezeption

Jörg Rothkamm

Diese Arbeit wurde mit dem Karl Heinz Di tze-Preis der Universität Hamburg ausgezeichnet.
Obwohl Gustav Mahlers Entwurf zu einer Zehnten Symphonie im Particell durchgehend ausgeführt ist, galten große Teile des Instrumentalwerks lange als skizzenhaft und unfertig. Die gründliche Analyse des Notentextes zeigt nun, dass die Form aller fünf Sätze wie auch der Gesamtanlage symphonisch ausgestaltet ist. Mahler entwickelte in diesem Werk nicht nur seine motivische Variantentechnik weiter, sondern hat auch – mehr noch als in der Neunten Symphonie – in rhythmischer, harmonischer und formaler Hinsicht Teil am Aufbruch der musikalischen Moderne um 1910. Durch die Rekonstruktion der Entstehungsgeschichte und die Einbeziehung zahlreicher, bislang unbekannter Quellen können außerdem biographische Bezüge und der Gehalt der Komposition genauer interpretiert werden. Im dritten Teil des Buches wird schließlich die gesamte Rezeptionsgeschichte des Werkes dargestellt – von den ersten Aufführungsbemühungen Alma Mahlers bis hin zu einem Vergleich der insgesamt sechs mittlerweile öffentlich aufgeführten orchestralen Gesamtfassungen.

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2. Analyse

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2.1. Erster Satz: Adagio l 2.1.1. Literaturüberblick Im Gegensatz zu den übrigen Sätzen der Zehnten Symphonie Gustav Mahlers stand das Adagio bereits überaus häufig im Mittelpunkt analytischer Betrach- tungen. Es wurde dabei zumeist isoliert behandelt, also ohne Bezug auf die weiteren Sätze.2 Dies erklärt sich aus der Tatsache, dass es als einziger Satz der Symphonie im Rahmen der Mahler-Gesamtausgabe veröffentlicht wurde.3 Die- se Ausgabe liegt auch einem Großteil der insgesamt 23 eruierten, überwiegend Einzelaspekten gewidmeten Studien des Satzes zugrunde. Auffällig ist bei die- ser Vielzahl, dass sich keine der Analysen auf sämtliche der jeweiligen Vor- gänger stützt, manche sogar einen Literaturbericht gänzlich vermissen lassen.4 Dies kann nur teilweise durch die verschiedenen internationalen Stränge bzw. methodischen Ansätze der Mahler-Forschung erklärt werden. Angesichts der umfangreichen Literatur scheint vielen Autoren ein unvoreingenommener Blick auf den Notentext offenbar zu rascherem Erkenntnisgewinn zu führen. Erst eine kritische Zusammenschau verdeutlicht jedoch, welche Fragen überhaupt ge- stellt und welche auch überzeugend beantwortet wurden. Damit wird nicht nur die Ursache der enormen Schriftfiille näher beleuchtet, die in der besonders ungewöhnlichen Anlage des Satzes begründet scheint. Aus den bisherigen De- fiziten werden sich vor allem Konsequenzen fiir das eigene methodische Vor- gehen ergeben (Kapitel 2.1.2.). Um bei dieser Ausgangslage einen Literaturüberblick überhaupt nachvoll- ziehbar zu gestalten, sei das Hauptaugenmerk zunächst auf die jeweiligen Formdeutungen des Satzes gelegt, bevor dann auch andere Aspekte diskutiert werden. Damit Bezüge untereinander...

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