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Grüßen im Deutschen und Russischen

Eine kontrastive inferenzstatistisch-empirische Analyse

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Helga Schulze-Neufeld

Diese Arbeit analysiert den Einfluss von verschiedenen Faktoren auf die Grußformelwahl der Deutschen und der Russen und ermittelt via Fragebogenerhebung und mithilfe von kontrastiv-pragmatischen und deskriptiv-inferenzstatistischen Methoden – t-Test und Binomialtest – die kritischen Situationen mit einem hohen interkulturellen Konfliktpotential. Die Faktoren Distanz und Hierarchie scheinen den größten Einfluss auf das deutsche und russische Grußverhalten zu haben. Situationen mit einem konvergierenden Bekanntheitsgrad- und Hierarchieverhältnis zwischen den Interaktanten stellen sich als kritisch heraus: Es kann eine Nicht-Adäquatheit zwischen den deutschen Grußformeln ‘Halloʼ und ‘Tschüssʼ und den russischen ‘Privetʼ und ‘Pokaʼ trotz ihrer Äquivalenz festgestellt werden.

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2 Methoden und Definitionen

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2.1 Methoden der kontrastiven Analyse Im Folgenden soll auf die in meiner Arbeit verwendeten theoretischen Methoden des kontrastiven Sprachvergleichs – in erster Linie das Tertium Comparationis und das Modell der funktional-semantischen Felder – eingegangen werden. Hierbei werden vor allem die genaue Vorgehensweise und besondere Vorzüge dieser Methoden für den kontrastiven Vergleich, speziell des Sprechaktes Grü- ßen im Deutschen und im Russischen, sowohl im Sinne der charakterologischen Typologie als auch der darauf aufbauenden angewandten Linguistik (Fremd- sprachenunterricht, Übersetzung) dargestellt. 2.1.1 Tertium Comparationis 2.1.1.1 Bezugspunkt des Vergleichs Der kontrastive Vergleich zweier Sprachen zur Ermittlung von pragmatisch- semantischen Gemeinsamkeiten, Unterschieden und Entsprechungen in Bezug auf die Realisierung eines Sprechaktes setzt etwas Vergleichbares bzw. einen gemeinsamen Bezugspunkt voraus. Als Voraussetzung für die Feststellung der Entsprechungsverhältnisse kann dabei die funktionale Identität der sprachlichen Nomination bzw. die konzeptionelle Identität von Gegenständen, Sachverhalten und Sprachhandlungen in beiden Sprachen betrachtet werden.8 Die identischen Referenzobjekte, Konzepte sowie Sprechakte werden allerdings in jeder Sprache auf ihre eigene, spezifische Art und Weise und mithilfe spezieller, für die jewei- lige Sprache charakteristischer Ausdrucksmittel wiedergegeben. Diese unter- schiedliche Kodierungspraxis beruht vor allem auf der Tatsache, dass die Spra- chen miteinander oft in ihrer „inneren Form“ nicht kongruent sind.9 Unter der „inneren Form“ wird im Sinne von W. von Humboldt und A. Potebnja die Art der spezifischen Gestaltung der einzelsprachlichen Bedeutungen, sowohl der grammatischen als auch der lexikalischen, verstanden.10 Diese spezifische Ge- staltung basiert dabei auf einer bestimmten Auffassungsweise der Konzepte der Sachverhalte zum Zeitpunkt der Nomination.11...

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