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Grüßen im Deutschen und Russischen

Eine kontrastive inferenzstatistisch-empirische Analyse

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Helga Schulze-Neufeld

Diese Arbeit analysiert den Einfluss von verschiedenen Faktoren auf die Grußformelwahl der Deutschen und der Russen und ermittelt via Fragebogenerhebung und mithilfe von kontrastiv-pragmatischen und deskriptiv-inferenzstatistischen Methoden – t-Test und Binomialtest – die kritischen Situationen mit einem hohen interkulturellen Konfliktpotential. Die Faktoren Distanz und Hierarchie scheinen den größten Einfluss auf das deutsche und russische Grußverhalten zu haben. Situationen mit einem konvergierenden Bekanntheitsgrad- und Hierarchieverhältnis zwischen den Interaktanten stellen sich als kritisch heraus: Es kann eine Nicht-Adäquatheit zwischen den deutschen Grußformeln ‘Halloʼ und ‘Tschüssʼ und den russischen ‘Privetʼ und ‘Pokaʼ trotz ihrer Äquivalenz festgestellt werden.

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3 Der Sprechakt Grüßen

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3.1 Definition, Inhalt, Funktionen und Bedeutung Der expressive Sprechakt Grüßen152 mit seinen Mikrofeldern Begrüßung und Verabschiedung lässt sich definieren als ein partnerbezogener Sprechakt, bei welchem der Sprecher dem Hörer signalisiert, dass der Kontakt eröffnet (Begrü- ßung) oder beendet wird (Verabschiedung); in einigen Fällen, z.B. beim Vorü- bergehen, kann der Gruß gleichzeitig auch beides bedeuten.153 Die Begrüßung (Initialgruß) markiert die Eröffnungsphase eines Gesprächs und regelt den Übergang von Nicht-Interaktion zur Interaktion. Dabei signalisiert Begrüßung eine Kommunikationsbereitschaft des Sprechers. Die Verabschiedung (Termi- nalgruß) dient als Marker der Beendigungsphase des Gesprächs und führt die Interaktion in die Nichtinteraktion über. Eine Verabschiedung signalisiert in der Regel den Wunsch des Sprechers nach weiteren Kontakten mit dem Adressa- ten.154 Begrüßung und Abschiednahme weisen eine starke Bindung und Aufeinanderbezogenheit auf. Sie bilden den Rahmen des kommunikativen Aus- tauschs. Die Frage nach dem propositionalen Inhalt des Grußes ist in der Wissenschaft umstritten.155 Nach Searle (1971) weist der Sprechakt Grüßen keinen proposi- tionalen Gehalt auf: Es komme beim Grüßen lediglich darauf an, den Adressaten seitens des Sprechers verstehen zu lassen, dass der Sprecher ihn durch das Vor- bringen der Grußformel gegrüßt hat,156 d.h. die Absicht des Sprechers bestehe nur darin, beim Adressaten keine andere Wirkung zu erzielen als bloß die, dass er weiß, dass er gerade gegrüßt wird.157 Das Grüßen deckte somit nur die Teilak- te Äußerung und Illokution ab. Uhlisch (1997) fasst in Anlehnung...

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