Show Less

Schulbau in Bayern 1945-1975

Von der Zwergschule zum Schulzentrum, vom Pavillon zur Großstruktur

Alfred Schmucker

Der öffentliche Schulbau im Freistaat Bayern vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Veränderungen der ersten drei Jahrzehnte nach 1945 ist Gegenstand dieser Untersuchung. Hoher Schulraumbedarf und anspruchsvolle Zielsetzungen, wie Demokratisierung der Gesellschaft, kindgerechte Schule, Verbesserung der Bildungschancen und Bildungsexpansion, machten den Schulbau zu einer bedeutenden Bauaufgabe. Auf der Grundlage bildungspolitischer und pädagogischer Vorgaben entwarfen die Architekten – Vorbildern folgend – konzeptionell und baulich-gestalterisch neue Schulgebäude. Im Zuge der weiteren Entwicklung in der Bildungspolitik und Pädagogik, aber auch in der Baukonstruktion und Architektur, entstand ein breites Spektrum von Lösungen, das typologisch und nach Entwicklungsphasen geordnet untersucht und in den bundesdeutschen und internationalen Schulbaukontext gestellt wird.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Kapitel III: Der neue Schulbau in der „Wirtschaftswunderzeit“(1955 – 1959)

Extract

114 115 Kapitel III: Der neue Schulbau in der „Wirtschaftswunderzeit“ (1955 – 1959) Politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Situation Die Teilung Deutschlands in zwei Staaten, die westorientierte, im westlichen Bündnis verankerte Bundesrepublik Deutschland und die an die Sowjetunion gebundene Deutsche Demokratische Republik, waren Mitte der 50er Jahre im allgemeinen gesellschaftlichen Bewusstsein unverrückbare Realität geworden. Der „Kalte Krieg“ zwischen den von der Sowjetunion und den USA angeführten Blöcken hatte sich verfestigt. Die von einer Koali- tion aus CDU und FDP unter der Führung von Konrad Adenauer regierte Bundesrepublik hatte vor diesem Hintergrund die Wehrpflicht wieder eingeführt und eine Bundeswehr aufgebaut. Die Bundesrepublik wurde ein verlässlicher Partner im Westbündnis und Mit- glied in der Nato. Trotz der Spannungen mit der Sowjetunion gelang es Adenauer, die überlebenden Kriegsgefangenen aus den sibirischen Arbeitslagern zurückzuholen. Die po- litische Organisation Westdeutschlands basierend auf den Prinzipien von Demokratie, Fö- deralismus und sozialer Marktwirtschaft erwies sich als stabil. Der Wiederaufbau war Mitte der 50er Jahre in Westdeutschland weitgehend abgeschlos- sen. Die Industrieproduktion florierte. Die stetig voranschreitende Industrialisierung, auch im ländlichen, agrarisch geprägten Raum Bayerns, führte zu einem zunehmenden Bedarf an Arbeitskräften, der durch die einheimische Bevölkerung nicht mehr gedeckt werden konnte, was die Anwerbung von „Gastarbeitern“ zur Folge hatte. Ausländische Arbeitnehmer, in dieser ersten Phase überwiegend aus Süditalien, fanden Arbeit in Deutschland und halfen mit, das Bruttosozialprodukt zu steigern. Das westdeutsche „Wirtschaftswunder“ brachte der Bauwirtschaft volle Auftragsbücher. An den Industriestandorten wurden...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.