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Abraham Geigers Wissenschaftsverständnis

Eine Studie zur jüdischen Rezeption von Friedrich Schleiermachers Theologiebegriff

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Imke Stallmann

Abraham Geiger ist vor allem als Reformrabbiner und damit als zentrale impulsgebende Persönlichkeit der jüdischen Reformbewegung des 19. Jahrhunderts bekannt. Er gehört aber auch zu den Gründungsgestalten der Wissenschaft des Judentums. Geiger konzipiert die Wissenschaft des Judentums als jüdische Theologie sowie als Motor für religiöse Reformen und orientiert sich dabei an Friedrich Schleiermachers Theologiebegriff. Diese Studie würdigt Geigers bisher vernachlässigte wissenschaftsprogrammatische Leistung, indem sie seinen Beitrag zur Entwicklung und Profilierung der Wissenschaft des Judentums beleuchtet. Hierfür analysiert sie Geigers Werk, rekonstruiert so sein Wissenschaftsverständnis und stellt dieses in den zeitgenössischen Kontext des innerjüdischen Gelehrtendiskurses und in Schleiermachers Neukonzeption der Theologie ein.

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Hinführung

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Eine Wissenschaft eröffnet nach Geigers Auffassung Anwendungsfelder, in denen sie tätig ist. Diese Handlungssphären sind im konkreten Leben der Gegen- wart verortet und die Aufgaben von Wissenschaft resultieren unter anderem aus virulenten Bedürfnissen der Praxis. Aufgrund dieses Nexus und des Gegenwarts- bezugs einer Wissenschaft ist es wichtig, das Kolorit der Zeit und damit die kon- textuellen Bedingungen einer Wissenschaft zu kennen. Im Hinblick auf das von Geiger entfaltete Wissenschaftskonzept muss dabei die spezifische Situation der Juden im deutschen Staatengefüge1 des 19. Jahrhunderts besondere Beachtung finden, da Geiger durch sie nachhaltig geprägt ist und sie denjenigen lebenswelt- lichen Bezug darstellt, auf den er seinen Wissenschaftsentwurf bezieht. Kapi- tel 1 skizziert daher die Lage des gegenwärtigen Judentums2, wie Geiger sie in seinen Schriften und Aufsätzen charakterisiert. Dabei werden der Makrokosmos und der Mikrokosmos des Judentums näher beschrieben. Betrachtet man Geigers wissenschaftsprogrammatische Ausführungen, kristallisieren sich zwei Ebenen heraus: der allgemeine Wisssenschaftsbegriff und der Wissenschaftsbegriff der Wissenschaft des Judentums. Auf Letzterem liegt der Schwerpunkt dieser Unter- suchung. Zunächst soll jedoch in Kapitel 2 Geigers allgemeiner Wissenschafts- begriff skizziert werden. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass Geiger sich nur selten prinzipiell zur Wissenschaft äußert, stattdessen seinen Wissenschaftsbe- griff von vornherein im Horizont der Wissenschaft des Judentums entwickelt. Darüber hinaus erschwert seine unpräzise Terminologie die inhaltliche Differen- zierung. Zwar verwendet Geiger fast durchgängig den Begriff „Wissenschaft“, meint in der Regel jedoch die Wissenschaft des Judentums.3 Anliegen der Hin- 1 Der...

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