Show Less

Das Generalgouvernement Niederrhein

Series:

Peter Opitz-von Bardeleben

Die Arbeit befasst sich mit dem Übergang von der französischen zur preußischen Verwaltung auf linksrheinischem Gebiet im Zeitraum März bis Juni 1814. Nach der Niederlage Napoleons in der Völkerschlacht bei Leipzig (16. bis 18. Oktober 1813) wurden in den besetzten Gebieten Generalgouvernements gebildet. Die Einrichtung des hier betrachteten Generalgouvernements wurde am 12. Januar 1814 in Basel beschlossen. Es wurde von Preußen bis zum 15. Juni 1814 für gemeinsame Rechnung der verbündeten Mächte (Preußen, Österreich, Russland, Großbritannien und Schweden) verwaltet. Generalgouverneur war Johann August Sack, ein Beamter aus Steins Schule. Die vorgegebenen elementaren Verwaltungsziele waren: Aufrechterhaltung von Ordnung, Beschaffung von Geldmitteln und die Versorgung der alliierten Heere. Diese Ziele standen unter der weiteren Vorgabe, den Geist der Einwohner für die «große Sache aller Staaten» zu gewinnen und ihnen mit der Aussicht auf eine «bessere Zukunft die Opfer des Augenblicks erträglich» zu machen. Ob diese Ziele erreicht wurden, wird anhand der einzelnen Verwaltungszweige, Kommunalverwaltung, Justiz, Polizeiwesen, Forstverwaltung und Finanzverwaltung u.a. dargestellt. Dabei werden im Wesentlichen Materialien und Aktenunterlagen aus der Zeit Anfang des 19. Jahrhunderts ausgewertet. Als Ergebnis ist eine den Verhältnissen angepasste Verwaltung festzustellen, die von den Einwohnern akzeptiert werden konnte.

Prices

See more price optionsHide price options
Show Summary Details
Restricted access

D Die Gerichtsbarkeit

Extract

I Die Gerichtsverfassung und das materielle Recht Als Gouverneur eines Provisoriums war Sack sich bewusst, dass ihm auch ledig- lich eine provisorische Verwaltung oblag, wobei insbesondere die Bedürfnisse der alliierten Armeen zu gewährleisten waren.75 Es galt daher so wenig wie möglich in die bestehende Rechtskonzeption ein- zugreifen, weil zunächst auf diese Weise am ehesten ein reibungsloser Geschäfts- ablauf zu erwarten war. Diese Vorgabe hatte eine besondere Geltung auch im Gerichtswesen. Die Sicherung des Rechtsfriedens konnte bei erheblicher Ver- änderung der Gerichtsverfassung nur beeinträchtigt werden.76 So bestimmte der Generalgouverneur, dass die bisherige Rechtssituation vor- läufig beibehalten wird.77 1. Bisherige Gesetzeslage und ihre Fortdauer Der französische Regierungskommissar Rudler (commissaire du gouvernement), der Ende 1797/Anfang 1798 den Verwaltungsaufbau organisierte,78 führte im Jahr 1798 innerhalb weniger Monate nahezu das gesamte Französische Verwaltungs-, Straf- und Zivilprozessrecht im Rheinland ein.79 Damit war rechtlich auch das Rheinland „französisch“ eingebunden. 75 Vollheim, S. 18. 76 Vgl. auch Sack’s Bericht vom 31. März 1816 a.a.O. S. 150, 151, 165 zu „Administration de la justice“, Vollheim, S. 202, 203. 77 Verordnung No. 2 in Journal d. N. (Nro. 1) unter 6), Verordnung Nro. 33 in Journal d. N. (Nro. 21), Vollheim, S. 206, Koltes, S. 52 Anm. 16, Bauer, S. 13-16: Zum „Werth“ des C. N. (Code Napoleon). 78 Vorstehend S. 34. 79 Conrad, S. 82, Bär, S. 53, vgl. auch Lahrkamp, …, S. 212, 247: Das französische Recht sollte auch in Westfalen „rasch und uneingeschr...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.