Show Less

Die «hypothèque rechargeable» – eine wiederaufladbare Hypothek als Grundschuld «à la française»?

Eine Analyse der französischen «hypothèque rechargeable» durch Vergleich mit den deutschen Grundpfandrechten

Series:

Alexander Baumann

In Frankreich wurde 2006 die hypothèque rechargeable eingeführt. Die vorliegende Arbeit untersucht dieses neue Sicherungsinstrument und vergleicht es mit den deutschen Grundpfandrechten. Bei der Betrachtung der Entstehungsgeschichte und der rechtlichen Ausgestaltung zeigen sich konzeptionelle Besonderheiten. Die hypothèque rechargeable erlischt nicht mit der gesicherten Forderung, sondern kann durch «Wiederaufladung» weitere Forderungen sichern. Anders als bei der Grundschuld wurde bei ihr die akzessorische Bindung an die gesicherte Forderung jedoch nicht vollständig aufgehoben. Die hypothèque rechargeable ähnelt damit der deutschen Hypothek, nicht der Grundschuld. Ihr Konzept weist einige Schwächen auf. Es ist ungewiss, ob die Praxis diese Hypothekenform annehmen wird.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Zusammenfassung

Extract

1. Die vertragliche Hypothek hatte in Frankreich vor der Reform 2006 eine ver- gleichsweise geringe Bedeutung. Kreditgeber bevorzugten beim Immobiliarkre- dit häufig ein der Hypothek ähnliches gesetzliches Sicherungsrecht, den pri- vilège du prêteur de deniers, sowie eine besondere Form der Bürgschaft, den cautionnement mutuel. 2. Die Ursache für diese Entwicklung ist im alten Hypothekenrecht und den spe- zifischen Vorteilen der konkurrierenden Sicherheiten zu suchen. Mit dem pri- vilège du prêteur de deniers war die vertragliche Hypothek inhaltlich weitge- hend identisch, jedoch kostete ihre Bestellung aufgrund einer steuerlichen Bes- serstellung des Privilegs mehr. Gegenüber dem cautionnement mutuel galt die vertragliche Hypothek als teuer, kompliziert in der Zwangsvollstreckung und un- sicher in der Insolvenz. Nachteilig wirkte sich zudem ihre Akzessorietät aus. Hierdurch war sie wenig flexibel und verkehrsfähig. Sie konnte nicht über die erste Forderung hinaus wiederverwendet werden. Der Erfolg des cautionnement mutuel ist hiermit allerdings nur teilweise zu erklären. Von Bedeutung dürfte auch sein, dass diese Sicherungsform von den Kreditgebern selbst entwickelt wurde und so stark an deren Interessen ausgerichtet ist. 3. Mit der Einführung der wiederaufladbaren Hypothek 2006 sollte die Rolle der vertraglichen Hypothek im französischen Kreditsicherungsrecht gestärkt wer- den. Wie jedes Grundpfandrecht dient sie auch der Mobilisierung von Grundver- mögen. Zu ihrem Konzept gehört jedoch auch eine besondere wirtschaftspoliti- sche Idee, die rückblickend, angesichts der 2008 ausgebrochenen internationalen Finanzkrise, als riskant anzusehen ist: Der kreditgestützte und hypothekarisch gesicherte Konsum zur...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.