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Die mittelenglische Romanze zwischen Imitation und Innovation

Zur Dynamik einer Diskurstradition

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Ulrike Schenk

Die Arbeit untersucht anhand der mittelenglischen Romanzen die Etablierung des Englischen als Literatursprache im Spätmittelalter. Vor dem Hintergrund kontinentaler und insularer französischer Vorlagen prägt sich eine volkssprachliche Literaturgattung aus, die exemplarisch ist für den Verschriftlichungsschub, von dem das Englische ab dem 13. Jahrhundert erfasst wird. Zwei Fallanalysen zu den Romanzen Havelok the Dane und Ywain and Gawain und ihren jeweiligen Quellen widmen sich narratologischen, kulturhistorischen und poetologisch-rhetorischen Gesichtspunkten sowie Fragen der Formelhaftigkeit. Die Detailstudien liefern vertiefte Einblicke in mittelalterliche literarische Adaptionsprozesse und arbeiten das spezifische Gattungsprofil der mittelenglischen Romanzen heraus.

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3 Das Verhältnis der mittelenglischen Romanzen zu den jeweiligen Vorlagen:Zwei Fallstudien

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63 3 Das Verhältnis der mittelenglischen Romanzen zu den jeweiligen Vorlagen: Zwei Fallstudien 3.1 Havelok the Dane 3.1.1 Mögliche Quellen des Havelok und Havelok als mögliche Quelle Die mittelenglische Romanze vom fiktiven Dänenkönig Havelok entstand um 1290 in der Regierungszeit Eduards I. (1272-1307), der Erzählstoff findet sich aber bereits in anglonormannischen Fassungen in der in Versen erzählten Chro- nik Estoire des Engleis (Est; ca. 1135-1140) des Gaimar und im anonymen Lai d’Haveloc (Lai; ca. 1190-1220). Herlint MEYER-LINDENBERG sprach sich für eine weitaus frühere Datierung des mittelenglischen Werkes aus, nämlich für den Zeitraum von 1203-1216. Zudem legte sie nahe, dass nicht das Lai eine Quelle für das mittelenglische Werk gewesen sei, sondern umgekehrt Havelok the Dane (H) dem Lai zugrunde gelegen habe (1968). Jedoch spricht die gesam- te Sprachsituation, vor allem zu Beginn des 13. Jahrhunderts, gegen eine Vor- bildfunktion des Englischen für das Französische. Auch sind die Argumente von MEYER-LINDENBERG keineswegs überzeugend. So führt sie einerseits etliche zeitgenössische Parallelen an zwischen Havelok und Arthur, dem Neffen Johann Ohnelands, will aber andererseits die Erwähnung des Parlaments in Lincoln, das 1301 tagte, lediglich als „notwendiges Erzählmotiv“ (1968: 92) verstanden wis- sen und eine historische Parallele ausschließen.56 Bei Gaimars Werk handelt es sich um die älteste erhaltene Chronik in fran- zösischer Sprache (LEGGE 1963: 277). Dem Werk ging eine geringfügig ältere, vielleicht volkssprachliche Biographie Heinrichs I. von einem gewissen David voran, die...

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