Show Less

Die Einzel- und Gesamtverantwortung der Vorstandsmitglieder der Aktiengesellschaft

Die Verantwortung für die Leitung und Geschäftsführung im mehrköpfigen Vorstand in der unabhängigen und der herrschenden AG

Series:

Christian Rehm

Das AktG gewährt den Gesellschaftsorganen der AG eine weitreichende Organisationsautonomie, die es ihnen ermöglicht, eine auf die konkreten Unternehmensverhältnisse abgestimmte Führungsstruktur zu errichten. Eine rechtliche Grenze setzt ihnen dabei der ungeschriebene Grundsatz der Gesamtverantwortung, nach dem jedes der Vorstandsmitglieder unabdingbar für das ordnungsgemäße und rechtmäßige Funktionieren des gesamten Vorstands verantwortlich ist. Die Frage nach Arbeitsteilung, Spezialisierung und haftungsrechtlicher Entlastung der Mitglieder im kollegial geprägten Vorstand ist daher maßgeblich mit diesem Grundsatz verbunden. Diese Arbeit untersucht Grundlagen, Inhalt und Reichweite der Gesamtverantwortung und nimmt dabei auch die konzernrechtliche Ebene in den Blick.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Teil 1 Der Verantwortungsbereich des Vorstands in der unabhängigen AG

Extract

23 Teil 1 Der Verantwortungsbereich des Vor- stands in der unabhängigen AG A. Die historische Entwicklung des Verantwortungs- bereichs des Vorstands der Aktiengesellschaft Um den Verantwortungsbereich des Vorstands abstecken zu können, soll zu- nächst ein kurzer Blick auf seine Pflichtenstellung vor der geltenden Gesetzesla- ge geworfen werden. Mit den großen Aktienrechtsreformen der Jahre 1937 und 1965 hatte der Gesetzgeber auf verschiedene als misslich empfundene Zustände in der Organisation der Aktiengesellschaft reagiert und damit die hergebrachte Stellung des Vorstands nachhaltig verändert. Die Hintergründe, die den damali- gen Gesetzgeber zum Handeln veranlassten, spielen auch heute noch eine wich- tige Rolle, um den Verantwortungsbereich des Vorstands zu bestimmen. I. Entwicklung bis 1937 1. Kompetenzverteilung in der Aktiengesellschaft Erste der modernen Aktiengesellschaft angenäherte Gesellschaftsformen exis- tierten bereits im 17. und 18. Jahrhundert mit der niederländisch-ostindischen Kompanie von 1602 und der englisch-ostindischen Kompanie von 1613, die in Indien und Ostasien vor allem Gewürzhandel betrieben.2 Ihre Finanzierung ba- sierte erstmals auf der Ausgabe von Aktien, in denen die im Grundsatz über- tragbaren Anteile am Gesellschaftsvermögen verbrieft wurden. Die Ausgabe der Aktien sollte an einen möglichst großen Personenkreis erfolgen, denn der Be- weggrund für die Gründung derartiger Gesellschaften lag im Zusammenfließen umfangreicher Kapitalmengen für oftmals risikoreiche und kapitalintensive Un- ternehmungen.3 Ein staatliches Aktienrecht mit Vorgaben zur inneren Organisa- tion und Zuständigkeitsverteilung fehlte zum damaligen Zeitpunkt jedoch noch 2 Vgl. dazu Popp, Das aktiengesellschaftliche Unternehmen, S. 2 ff.; Dose, Rechtsstel-...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.