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Textmetamorphosen

Literarische Werke in neuem Gewand

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Edited By Hans-Albrecht Koch

Die Beiträge dieses Buches widmen sich den Prozessen, die Um- und Neugestaltung von literarischen Texten durch Bildende Künstler, Musiker, Dichter, Übersetzer und Regisseure sowie durch die Adaption für den Unterricht bestimmen. Die Frage nach der Natur dieser Prozesse wird entwickelt an Beispielen aus den Märchen der Brüder Grimm, den Umschreibungen von Dramen Shakespeares, den Adaptionen der Judith im deutschen Drama von Hebbel bis Georg Kaiser, den Dramen Gerhart Hauptmanns, den Brecht-Inszenierungen von Pawel G. Ljubimow, den Gedichten von Antonia Pozzi, dem Hamburger Tagebuch Samuel Becketts, der Opernkomposition Georg von Albrechts und der jüngeren Popularmusik. Einige Beiträge zur Buchillustration und zur Übersetzung gewähren unmittelbaren Einblick in die Werkstatt der Künstler.

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Die Metamorphosen der Grimmschen Märchen (Heinz Rölleke)

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Die Metamorphosen der Grimmschen Märchen* Heinz Rölleke Die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm sind das bestbekannte, meist- aufgelegte, meistübersetzte deutschsprachige Buch aller Zeiten, und sie sind meta- morphosenreich wie kein anderes Werk. Sie verdienen allein deswegen auch hier die Aufmerksamkeit, die ihnen ja in der Öffentlichkeit zur Zeit reichlich zuteil wird. Seit Beginn der Sammelarbeit im Jahr 1806 und vor allem seit Erscheinen der Erstauflage in den Jahren 1812 und 1815 erweist sich diese Märchensammlung für Metamorphosen aller Art geradezu prädestiniert, ja Metamorphosen gehören zu ihrem Wesen, sind grundsätzlich in ihr angelegt. Goethe hat es bei seiner Kritik der Arnim/Brentanoschen Liedersammlung Des Knaben Wunderhorn auf den Punkt gebracht: „Wer weiß nicht, was ein Lied aus- zustehen hat, wenn es durch den Mund des Volkes, und nicht etwa nur des unge- bildeten, eine Weile durchgeht! Warum soll der, der es in letzter Instanz aufzeich- net, […] nicht auch ein gewisses Recht daran haben?“ Was Goethe für das Leben und Weben im Reich der Mütter konstatiert, „Gestaltung, Umgestaltung / Des ewigen Sinnes ewige Unterhaltung“ (Faust II, v. 6287 f.), das konzediert er auch der lebendigen Tradition von Volksliteratur: Volkslieder, Volksmärchen, Volks- sagen bilden sich in der anonymen Überlieferung ständig um, und sie werden von dem, der sie in schriftliche Form bringt, redigiert und bewußt umgebildet – er hat „ein gewisses Recht daran“, sagt Goethe. Und Achim von Arnim bekannte sich in der poetischen Praxis zu dieser Lizenz, die...

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