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Textmetamorphosen

Literarische Werke in neuem Gewand

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Edited By Hans-Albrecht Koch

Die Beiträge dieses Buches widmen sich den Prozessen, die Um- und Neugestaltung von literarischen Texten durch Bildende Künstler, Musiker, Dichter, Übersetzer und Regisseure sowie durch die Adaption für den Unterricht bestimmen. Die Frage nach der Natur dieser Prozesse wird entwickelt an Beispielen aus den Märchen der Brüder Grimm, den Umschreibungen von Dramen Shakespeares, den Adaptionen der Judith im deutschen Drama von Hebbel bis Georg Kaiser, den Dramen Gerhart Hauptmanns, den Brecht-Inszenierungen von Pawel G. Ljubimow, den Gedichten von Antonia Pozzi, dem Hamburger Tagebuch Samuel Becketts, der Opernkomposition Georg von Albrechts und der jüngeren Popularmusik. Einige Beiträge zur Buchillustration und zur Übersetzung gewähren unmittelbaren Einblick in die Werkstatt der Künstler.

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„Die Frau, die man Musik nennt“, und „die Seele, die sich irren kann“: Über Möglichkeiten der Wandlung durch Musik (Klaus Becker)

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„Die Frau, die man Musik nennt“, und „die Seele, die sich irren kann“: Über Möglichkeiten der Wandlung durch Musik Klaus Becker In einem Aufsatz, der im Mai 1926 in der Baseler „National-Zeitung“ unter dem Titel Aus dem Leben eines Schriftstellers veröffentlicht wurde, läßt Robert Walser seinen flanierenden Protagonisten an einem geöffneten Fenster vorbeigehen, aus dem Klaviermusik zu hören ist. Zu den hierdurch evozierten Empfindungen des zufälligen Zuhörers schreibt er die folgenden bemerkenswerten Sätze: Wenn man auch weiter gar nicht nötig hat, erlabt, erquickt zu werden, die Frau, die man Musik nennt, mahnt einen daran, daß man die Seele ist, die sich irren kann, erinnert einen daran, daß man, obwohl einem das vielleicht sehr luxuriös erscheint, gern getröstet ist. Sie nimmt von unsern Verschlossenheiten gleichsam einen Deckel weg, ähnlich, wie es der Arzt bei einem Patienten tut, von dessen Wunde er den Verband entfernt, um ihren Zustand zu untersuchen. Wund sind wir ja in gewissem Sinne alle, nur gewöhnen wir uns an, über diese zu zarte Tatsache, die vom Alltag nicht berücksichtigt werden kann, und die darum nicht vor- handen sein darf, hinwegzugehen. 1 Walser, wenngleich selbst kein Arzt, läßt hier, wenige Jahre vor seiner freiwil- ligen Aufnahme in die Nervenheilanstalt Waldau, ein Verständnis für seelische Verirrung und Verwundung erkennen, das einer skeptischen Einsicht Karl Jas- pers’ in erstaunlicher Weise entspricht. Dieser findet schon in seiner Allgemei- nen Psychopathologie, deren erste Ausgabe 1913 (hier benutzt...

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